Neues Medikament
Forscher feiern „Durchbruch“ bei aggressivem Krebs
01.06.2026 – 14:20 UhrLesedauer: 3 Min.

Pankreaskrebs zählt zu den tödlichsten Krebsarten überhaupt. Dank eines neuen Medikaments lebten Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich länger als bisher.
Für Menschen mit metastasiertem Pankreaskrebs, also einem bösartigen Pankreastumor, der bereits gestreut hat, gab es bislang nur wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Viele Patienten erhalten die Diagnose erst, wenn sich der Tumor bereits im Körper ausgebreitet hat. Die Überlebenschancen gelten deshalb als besonders schlecht. Jetzt berichten Forscher auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago von einem möglichen Durchbruch.
Studie zeigt deutlich längeres Überleben
Im Mittelpunkt steht der Wirkstoff Daraxonrasib. Die Tablette wurde in der Studie „RASolute 302“ an 500 Patienten mit bösartigem Pankreastumor an den Ausführungsgängen der Bauchspeicheldrüse getestet. Dieser sogenannte duktale Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die häufigste Form dieser Krebsart.
Alle Teilnehmer hatten bereits eine erste Behandlung erhalten und benötigten eine weitere Therapie. Die Forscher teilten sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf: 248 Patienten erhielten täglich Daraxonrasib als Tablette, 252 eine Standard-Chemotherapie.
Das Ergebnis fiel deutlich aus. Patienten mit Daraxonrasib lebten im Mittel 13,2 Monate. In der Chemotherapie-Gruppe lag die mittlere Überlebenszeit dagegen nur bei 6,6 bis 6,7 Monaten. Auch die Zeitspanne, in der die Erkrankung nicht weiter voranschritt, verlängerte sich deutlich: von rund dreieinhalb Monaten auf mehr als sieben Monate. Die Ergebnisse wurden gestern im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.
- Bauchspeicheldrüsenkrebs: Welche Symptome der aggressive Tumor verursacht
Angriff auf den wichtigsten Motor des Tumors
Der neue Wirkstoff greift gezielt das sogenannte Protein KRAS an. Dieses Eiweiß spielt bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eine zentrale Rolle. Mehr als 90 Prozent der Patienten mit duktalem Pankreaskrebs tragen Mutationen im sogenannten KRAS-Gen.
Normalerweise steuert KRAS das Wachstum von Zellen. Durch bestimmte Genveränderungen (Mutationen) bleibt das Protein jedoch dauerhaft aktiv. Die Krebszellen erhalten dadurch ständig das Signal, sich weiter zu vermehren.
Genau hier setzt Daraxonrasib an. Das Medikament gehört zu einer neuen Klasse von Wirkstoffen, den sogenannten RAS(ON)-Inhibitoren. Sie schalten die aktive Form des KRAS-Proteins aus und bremsen dadurch das Tumorwachstum. Anders als frühere Medikamente wirkt Daraxonrasib bei verschiedenen KRAS-Veränderungen und sogar bei Patienten ohne die KRAS-Mutation.
Experten sprechen von einem Wendepunkt
Die Ergebnisse sorgen unter Krebsforschern für große Aufmerksamkeit. Christoph Springfeld, Onkologe und Mitautor der Studie, bezeichnet die Therapie auf Anfrage von t-online als „Durchbruch“. Zudem besteht laut dem Mitarbeiter des Universitätsklinikums Heidelberg und des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen die Hoffnung, dass sich in Zukunft durch die Kombinationen mit Chemotherapie oder Immuntherapie noch weitere Fortschritte ergeben.
„Die klinische Bedeutung der Überlebenszeitverlängerung ist groß. Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs leben leider aktuell selbst mit der besten Chemotherapie im Durchschnitt weniger als 12 Monate“, erklärt er.
Auch ASCO-Chefärztin Julie Gralow, die nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Ergebnisse im „Guardian“ als „Gamechanger“.
Weniger schwere Nebenwirkungen als Chemotherapie
Neben der Wirksamkeit untersuchten die Forscher auch die Verträglichkeit. Schwere Nebenwirkungen traten bei 61,8 Prozent der Patienten unter Daraxonrasib auf. In der Chemotherapie-Gruppe lag dieser Anteil bei 69,6 Prozent.











