Doch unabhängig vom Mehrwert solcher Einrichtungen treibt Dobrindt das Projekt öffentlichkeitswirksam mit einigen europäischen Partnern voran. Sollte sich das alles als Schall und Rauch erweisen, weil kein Drittstaat bereit ist, mitzumachen, wäre das eine Schlappe für Dobrindt. Denn wer vollmundig Versprechungen macht, muss am Ende auch liefern.
Dass Hunderttausende Syrer in den kommenden Jahren das Land verlassen, ist nicht nur unwahrscheinlich. Auch für den deutschen Arbeitsmarkt wäre es ein großes Problem, denn viele Syrer arbeiten im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel oder in der Logistik und werden dort gebraucht.
Innenminister Dobrindt will zwar auch, dass viele Syrer Deutschland den Rücken kehren –daraus macht er keinen Hehl. Eine Zahl nennt er – anders als Merz – allerdings nicht. Er betont, er setze darauf, dass mehr und mehr Syrer sich dafür entscheiden werden, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Bisher ist diese Zahl verschwindend gering: Im vergangenen Jahr waren es nur wenige Tausend. Dobrindt schließt Hilfsabkommen mit Syrien etwa beim Zivil- und Katastrophenschutz. Das Kalkül: Wenn sich Sicherheitslage und Infrastruktur in dem Land im Nahen Osten verbessern, wird eine Rückkehr für Syrer hierzulande attraktiver.
Die Debatte über die Rückkehr nach Syrien zeige, „wie schief“ die Perspektive in Deutschland sei, kritisiert Migrationsexperte Schammann. Während man in Syrien Menschen zurückwolle, weil man sie für qualifiziert halte und für den Wiederaufbau brauche, wolle Deutschland dieselben Menschen möglichst schnell loswerden. „Statt Menschen aus Deutschland herauszuekeln, müsste man fragen, wie Qualifikationen und Potenziale besser genutzt werden können – gerade bei schwächelnder Wirtschaft“, fordert er.










