IW-Berechnungen
Diese Steuerzahler zahlen 4.500 Euro mehr durch Klingbeil-Reform
Aktualisiert am 31.03.2026 – 15:36 UhrLesedauer: 2 Min.
Die schwarz-rote Koalition will in den kommenden Monaten große Reformen anstoßen. Einen ersten Aufschlag machte Vizekanzler Lars Klingbeil. Was würde seine Steuerreform bedeuten?
Nach dem abgesagten „Herbst der Reformen“ will die Bundesregierung einen neuen Aufschlag wagen: Vergangene Woche kündigte Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) ein großes Reformpaket an, erste Beschlüsse sollen noch im Sommer vorliegen.
Eines der Vorhaben, die Klingbeil vorantreiben möchte, ist die Abschaffung des Ehegattensplittings für neue Ehen. Bestehende Ehen sollen weiterhin vom aktuellen Steuervorteil profitieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat am Dienstag berechnet, was das für Steuerzahler bedeuten würde.
Im vergangenen Jahr hätten Haushalte, die den Splittingvorteil nutzten, ohne Ehegattensplitting 25 Milliarden Euro mehr Steuern gezahlt. 91 Prozent der Haushalte waren dem IW zufolge Eheleute mit Kindern. Am meisten profitieren Familien mit einem Alleinverdiener.
Diese würde die Neuregelung auch am meisten treffen, so das IW. Bei einem Alleinverdiener, der 100.000 Euro im Jahr verdient, wären ohne Splittingvorteil 4.582 Euro mehr Steuern fällig als im aktuellen Modell. Doppelverdiener müssten hingegen weniger Mehrbelastung befürchten, vor allem wenn beide ähnlich viel Geld verdienen.
Die Abschaffung des Ehegattensplittings wird schon seit vielen Jahren gefordert, vor allem aus dem Spektrum links der Mitte. Klingbeil sagte vergangene Woche, dass das Modell Frauen „in der Teilzeitfalle“ halte. Diese Einschätzung teilen auch viele Ökonomen und warnen, dass das Ehegattensplitting dazu führe, dass sich Mehrarbeit für viele Frauen nicht lohne – stattdessen zahle es sich finanziell für die Familie mehr aus, wenn ein Partner weniger verdient und in Teilzeit bleibt. Angesichts der demografischen Entwicklung und des Arbeitskräftemangels erscheint das Modell vielen aus der Zeit gefallen.
Das IW ermittelt, dass die Klingbeil-Reform durchaus Anreize zu Mehrarbeit setzen könnte. Schließlich könne die steuerliche Mehrbelastung durch eine höhere Erwerbsarbeit des Zweitverdieners ausgeglichen werden. Zugleich merken die Ökonomen an, dass dies nur gelingen könne, wenn die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung ausgeweitet würden. Schließlich gehen genau aus diesem Grund viele Mütter und Väter nicht oder nur wenig arbeiten.
„Da eine Reform zudem nur für neue Ehen gelten soll, wären die kurzfristigen Wirkungen auf Arbeitsangebot und Steuereinnahmen gering“, erklärt das IW. „Eine Reform des Ehegattensplittings kann so allenfalls eine Stellschraube sein – sie ersetzt keine umfassende Familien- und Arbeitsmarktpolitik.“











