Die Bankdaten sind allerdings nicht repräsentativ für alle jungen Menschen in Deutschland. Sie zeigen das Verhalten junger ING-Kunden – also einer Gruppe, die bereits ein Konto oder Depot bei der Direktbank hat und möglicherweise finanz- und digitalaffiner ist als der Durchschnitt.
Neues Altersvorsorgedepot kommt gut an
Auch ein neues Vorsorgemodell stößt bei vielen jungen Erwachsenen auf Interesse: das für Januar 2027 geplante Altersvorsorgedepot. 65 Prozent der 18- bis 30-Jährigen halten ein solches Depot für attraktiv.
Die Idee dahinter: Menschen sollen staatlich gefördert langfristig am Kapitalmarkt für das Alter sparen können. Entscheidend für eine möglichst hohe Rendite ist allerdings, wie hoch die Kosten ausfallen und mit welchen Produkten das Depot bestückt wird. Empfehlenswert wäre auch hier ein Investment in breit gestreute und günstige ETFs.
Wissenslücke zwischen Frauen und Männern
Die Umfrage zeigt zugleich, dass das Altersvorsorgedepot noch längst nicht allen jungen Menschen bekannt ist. Auffällig ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern: Nur etwa jede zweite junge Frau kennt das Modell. Bei jungen Männern sind es 66 Prozent.
Das verweist auf ein grundsätzliches Problem der privaten Altersvorsorge: Wer vorsorgen soll, muss die Angebote verstehen. Komplizierte Produkte könnten gerade jene abschrecken, die ohnehin wenig Erfahrung mit Geldanlage haben.
Sorge um Rente macht Reformen drängender
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Altersvorsorge für viele junge Erwachsene kein fernes Thema mehr ist. Obwohl die meisten von ihnen erst in mehreren Jahrzehnten in Rente gehen werden, beschäftigt sie die Frage, ob das gesetzliche System dann noch trägt und ob sie selbst genug zurücklegen können.
Für die Politik ist das ein Warnsignal. Wenn nur noch jeder zweite junge Erwachsene damit rechnet, später überhaupt eine gesetzliche Rente zu erhalten, stellt sich die Vertrauensfrage. Die Bundesregierung hat angekündigt, noch in diesem Jahr umfassende Rentenreformen auf den Weg zu bringen, die sich auf die Empfehlungen der Rentenkommission stützen.
Unabhängig davon bleibt für Verbraucher entscheidend, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorge zu befassen. ETFs und Sparpläne können dabei ein Baustein sein, sollten aber durch individuelle Planung ergänzt werden. Denn wie viel jemand fürs Alter zurücklegen kann und sollte, hängt stark von Einkommen, Lebenssituation, Risikobereitschaft und bestehenden Ansprüchen ab.