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Home » Deutschland im wirtschaftlichen Aufschwung? Ökonom mit klaren Worten
Wirtschaft

Deutschland im wirtschaftlichen Aufschwung? Ökonom mit klaren Worten

MitarbeiterBy MitarbeiterAugust 20, 2026
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Hohe Energiepreise

„Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“


20.08.2026 – 13:32 UhrLesedauer: 4 Min.

imago images 0863098980Vergrößern des Bildes

Auto an einer Tankstelle: Die Bundesregierung hat den Tankrabatt pünktlich zum Ferienbeginn auslaufen lassen. (Quelle: IMAGO/Rene Traut/imago)

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, zeigen jüngste Indikatoren. Doch Ökonomen rechnen bereits mit dem nächsten Rückschlag.

Top-Ökonom Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, warnt vor falschem Optimismus mit Blick auf die jüngsten Wirtschaftsdaten. „Aufschwung ist ein starkes Wort“, sagt er im Gespräch mit t-online. Von einem Aufschwung könne man erst sprechen, wenn Produktion und Wertschöpfung sich kräftig und dauerhaft nach vorn bewegten. Was die Daten zeigten, sei lediglich eine Stabilisierung.

Tatsächlich fielen die letzten Wirtschaftszahlen durchweg positiv aus. Das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg im August zum vierten Mal in Folge, um 7,9 Punkte auf 34,2 Zähler.

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr das dritte Quartal in Folge gewachsen; im Juni exportierten Unternehmen so viele Waren wie noch nie in einem einzelnen Monat. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben ihre Wachstumsprognose daraufhin von 0,5 auf 1,0 Prozent verdoppelt.

  • Firmensterben in Deutschland: Viele Gastwirte geben auf
  • Baumarktkette wird zerschlagen: Verkauf einzelner Filialen

Was für einen Aufschwung noch fehlt

Doch Hüther gibt zu bedenken: „Es ist noch zu früh zu sagen, dass das auch so bleibt.“ In den vergangenen Jahren habe die Wirtschaft mehrfach Anlauf genommen – und sei dann jedes Mal wieder zurückgefallen.

Auch das ZEW-Barometer relativiert er: Vor dem Iran-Krieg habe der Wert fast doppelt so hoch gelegen. Der Anstieg führe also aus einem Tief heraus, nicht auf ein neues Niveau. Erst wenn sich auch die Stimmung in den Unternehmen und im Einzelhandel dauerhaft bessere, sei mehr als eine Momentaufnahme erreicht.

Hüther über Niedrigwasser: Firmen sind robuster als gedacht

Bemerkenswert findet Hüther dennoch, dass die Wirtschaft die Folgen des Krieges in der Ukraine, im Nahen Osten sowie die Blockade der Straße von Hormus besser wegsteckt als erwartet. Das liege auch am relativ stabilen Ölpreis, erklärt der Ökonom. Dieser ist nach dem Beginn des Krieges im Nahen Osten zwar zeitweise auf mehr als 100 US-Dollar pro Barrel geklettert, hat sich aber seitdem bei rund 80 Dollar eingependelt. Dafür sei auch China verantwortlich, die Volksrepublik trete am Ölmarkt derzeit stabilisierend auf.

Auch mit Blick auf das Niedrigwasser und die niedrigen Pegelstände am Rhein sieht Hüther kein großes Risiko für die hiesige Wirtschaft. Unternehmen hätten aus früheren Sommern gelernt und Transporte auf andere Binnenschiffe und auf Lastwagen verlagert, so der Top-Ökonom. Eine weitere Erklärung liegt für Hüther in der Krise selbst.

Nach Jahren der Stagnation seien viele Unternehmen aus dem Markt ausgeschieden, im verarbeitenden Gewerbe und besonders in der Elektro- und Chemieindustrie seien Arbeitsplätze weggefallen. „Da hat sich auch schon viel bereinigt“, sagte er. „Die übrig gebliebenen Unternehmen sind robuster aufgestellt.“

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