Machtwechsel im Straßenverkehr
Deutschland hat ein neues Lieblingsauto
09.10.2026 – 14:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Der deutsche Automarkt verliert seinen Heimvorteil. Im September eroberten ausländische Automodelle in sechs von 13 Fahrzeugklassen die obersten Plätze. Selbst der VW Golf verlor seinen Spitzenplatz.
Auf dem deutschen Automarkt ist derzeit ein außergewöhnlicher Machtwechsel zu beobachten. Bislang entfielen pro Monat nur zwei bis drei Klassensiege auf Importmarken. Im September hat sich diese Zahl jedoch verdoppelt. Die neuesten Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) belegen somit eindrucksvoll, wie schnell die Stärke der deutschen Hersteller inzwischen selbst auf dem Heimatmarkt erodieren kann.
Tesla überholt den Golf
Der spektakulärste Wechsel fand an der Spitze der Zulassungsstatistik statt. Mit 8.038 Neuzulassungen dominierte das Tesla Model Y das SUV-Segment. Damit war das Model Y das meistzugelassene Pkw-Modell des Monats und verdrängte den VW Golf vom ersten Platz aller Pkw-Klassen. Der langjährige Gesamtspitzenreiter aus Wolfsburg kam im September nur noch auf 6.580 Neuzulassungen. Auch in der Mittelklasse holte Tesla mit dem Model 3 (4.512 Einheiten) den Spitzenplatz.

Gleichzeitig gewinnt Dacia im Massenmarkt an Boden. Die rumänische Renault-Tochtermarke konnte im September zwei Klassensiege für sich verbuchen. Der elektrische Dacia Spring war mit 1.897 Zulassungen der meistverkaufte Kleinstwagen, der Dacia Jogger führte mit 988 Einheiten das Segment der Großraum-Vans an. Die weiteren Siege bei den Importfahrzeugen gingen an den Peugeot 3008 bei den Mini-Vans und den Fiat Ducato bei den Wohnmobilen.
Hier liegen die Importeure vorn
| Fahrzeugklasse | Neuer Spitzenreiter | Neuzulassungen |
|---|---|---|
| SUV | Tesla Model Y | 8.038 |
| Mittelklasse | Tesla Model 3 | 4.512 |
| Kleinstwagen | Dacia Spring | 1.897 |
| Mini-Vans | Peugeot 3008 | 1.294 |
| Großraum-Vans | Dacia Jogger | 988 |
| Wohnmobile | Fiat Ducato | 1.335 |
Zwar sichern sich die deutschen Hersteller immer noch sieben der 13 Klassensiege. So bleibt dem Golf beispielsweise der Spitzenplatz in der Kompaktklasse. Doch auch hier rücken die Verfolger näher, unter anderem, weil frühere Golf-Fahrer inzwischen lieber zu VW-Modellen wie dem T-Roc greifen.
Zu den verbleibenden deutschen Spitzenreitern gehören außerdem der VW Tiguan bei den Geländewagen, der VW Transporter bei den Nutzfahrzeugen und der Opel Corsa bei den Kleinwagen. In den höheren Segmenten behaupten sich der Audi A6 in der oberen Mittelklasse, die Mercedes S-Klasse in der Oberklasse und der Porsche 911 bei den Sportwagen.
Das Paradoxon des Wachstums
Im September wurden in Deutschland knapp 257.000 neue Pkw zugelassen. Das ist ein kräftiges Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ein Wachstum, von dem zunehmend ausländische Marken profitieren. Der Heimvorteil der deutschen Hersteller ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Dass ausgerechnet ein Tesla den Golf von der Spitze verdrängt, macht diesen Wandel am deutlichsten sichtbar.