EU-Vorgaben zum Smart Meter

Branchenverband warnt vor deutschem Rückstand


10.06.2026 – 15:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Intelligenter Stromzähler: Bei bestimmten Kunden ist der Smart Meter schon jetzt Pflicht. (Quelle: IMAGO/Philip Reynaers/imago)

Bis 2033 will Brüssel eine 65-prozentige Smart-Meter-Abdeckung in der EU. Ob Deutschland dieses Ziel erreichen wird, ist fraglich.

Die EU-Kommission will offenbar den Einbau von Smart Metern in ganz Europa verbindlich vorschreiben. Das geht aus einem geleakten Entwurf zur Reform des europäischen Strombinnenmarkts hervor. Demnach sollen bis Ende 2033 mindestens 65 Prozent aller Stromkunden in den Mitgliedstaaten mit intelligenten Stromzählern (Smart Metern) ausgestattet sein. Für Deutschland könnten diese Vorgaben laut der Smart-Meter-Initiative (SMI) kritisch werden. Bei der Organisation handelt es sich um einen Zusammenschluss der digitalen Stromanbieter Tibber, Ostrom, Rabot Energy und Octopus Energy.

Was ist ein Smart Meter?

Ein Smart Meter ist ein intelligenter Stromzähler. Er misst alle 15 Minuten den Stromverbrauch und teilt diesen dem Netzbetreiber und dem Energieversorger mit. Dadurch entfällt das turnusmäßige Ablesen des Stromzählerstands. Zudem können Haushalte dynamische Stromtarife nutzen. Bei diesen richtet sich der Preis nach dem aktuellen Börsenstrompreis – er sinkt, wenn viel Solar- oder Windstrom ins Netz eingespeist wird. Wer also zu bestimmten Zeiten Wäsche wäscht oder das E-Auto lädt, kann Geld sparen.

Quote in Deutschland

Der Grund: Laut Bundesnetzagentur waren bis Ende 2025 gerade einmal 5,5 Prozent der Endverbraucherhaushalte mit einem Smart Meter ausgestattet – also lediglich ein Bruchteil der rund 50 Millionen Messstellen im Land. Zum Vergleich: In Ländern wie Dänemark, Schweden und den Niederlanden verfügt bereits fast jeder Haushalt über einen Smart Meter.

Zwar wurde in Deutschland die gesetzliche Pflichtquote von 20 Prozent bei den sogenannten Pflichteinbaufällen mit 23,3 Prozent knapp übertroffen. Doch diese Pflichtfälle betreffen nur Kunden mit einem besonders hohen Stromverbrauch, einer Solaranlage, einer Wärmepumpe oder einer Wallbox. In Relation zur Gesamtbevölkerung ist das nur ein Bruchteil.

Branchenverband: EU-Ziele kaum erreichbar

Die SMI warnt vor einer wachsenden Lücke zwischen den neuen EU-Vorgaben und der Einbauquote in Deutschland. Zu der kann es kommen, weil es in Deutschland bislang nur eine Zielmarke für die eng definierten Pflichteinbaufälle gibt. Demnach muss bis 2032 bei diesen Pflichtfällen eine Einbauquote von 90 Prozent erreicht werden. Umgerechnet entspricht das einer Gesamteinbauquote von 40 bis 44 Prozent, erklärt die SMI. Das geplante EU-Ziel liegt hingegen bei 65 Prozent bis 2033 für alle Endverbraucher. Deutschland würde die Pflichtvorgabe der EU also klar verfehlen.

„Angesichts der schleppenden Ausbaugeschwindigkeit, die Ende 2025 bei einem Gesamtrollout von 5,5 Prozent lag, ist selbst die Erreichung der 90-Prozent-Quote beim Pflicht-Rollout bis 2032 fraglich“, kommentiert Ralf Walther, Energy Market Lead bei Tibber Deutschland.

Große Unterschiede zwischen den Netzbetreibern

Allerdings: Nicht alle Netzbetreiber hinken in ihrem Zuständigkeitsgebiet beim Smart-Meter-Rollout hinterher. Besonders weit vorn sind unter anderem Stromnetz Berlin mit einer Pflichteinbauquote von 53,1 Prozent, gefolgt von Westnetz (49,8 Prozent) und der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (46,6 Prozent).

Die Netze Duisburg, N-Ergie in Nürnberg, Stuttgart Netze sowie andere Netzbetreiber haben hingegen die gesetzliche Mindestquote zum Stichtag 31. Dezember 2025 nicht erfüllt, berichtet SMI. Sie müssen nachbessern. Sonst droht ihnen eine von der Bundesnetzagentur angeordnete Strafzahlung.

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