Atopisches Ekzem
Allergiemedikamente können mehr schaden als nützen
31.07.2026 – 16:23 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein atopisches Ekzem verursacht quälenden Juckreiz, wogegen seit Jahrzehnten auch Antihistaminika zum Einsatz kommen. Deren Nutzen ist jedoch fraglich.
Antihistaminika sind klassische Allergiemedikamente: Sie können nachweislich viele allergische Beschwerden wie Juckreiz und Heuschnupfen lindern. Dass sie auch beim atopischen Ekzem helfen, ist wissenschaftlich nicht hinreichend belegt. Eine neue Übersichtsarbeit hat nun ergeben: Die Mittel lindern das Ekzem und den damit verbundenen Juckreiz allenfalls minimal und ohne spürbaren Nutzen für die Betroffenen. Mitunter richten sie sogar mehr Schaden an.
Schon gewusst?
Das atopische Ekzem (auch atopische Dermatitis oder Neurodermitis genannt) ist eine nicht ansteckende Hautkrankheit, deren typische Symptome Hautausschlag und starkes Jucken sind. Die Beschwerden können über lange Zeit ununterbrochen andauern oder sich zwischendurch bessern, aber schubweise wiederkehren. In Deutschland sind circa 13 Prozent aller Kinder und 2 Prozent aller Erwachsenen betroffen.
Einsatz trotz Wissenslücken
Ein atopisches Ekzem kann sehr belastend sein: Die juckenden bis schmerzhaften Hautveränderungen stören tagsüber die Konzentrationsfähigkeit und nachts den Schlaf. Die passende Behandlung zu finden, braucht seine Zeit. Viele greifen dabei zusätzlich zu Antihistaminika, um den Juckreiz zu lindern: So nehmen jüngsten Schätzungen zufolge in Großbritannien 20 Prozent und in den USA sogar fast 50 Prozent der Betroffenen ein Antihistaminikum ein. Auch in Deutschland ergänzt ein solches Mittel häufig die Behandlung.
Inwieweit Antihistaminika bei einem atopischen Ekzem juckreizhemmend wirken, ist aber nach wie vor unklar: Das gilt sowohl für ältere Wirkstoffe der ersten Generation (wie Clemastin und Dimetinden) als auch für neuere Mittel der zweiten Generation (wie Cetirizin und Loratadin). Entsprechend uneinheitlich sind die international von Fachleuten ausgesprochenen Behandlungsempfehlungen. Diese Unsicherheiten wollte ein Forschungsteam aus Kanada und den USA beseitigen.
Was sagt die aktuelle deutsche Leitlinie?
Laut der Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft sollen Antihistaminika zur inneren Anwendung (etwa in Form von Tabletten) beim atopischen Ekzem nicht als Langzeitbehandlung eingesetzt werden.
Das Forschungsteam analysierte dazu 47 hochwertige Studien mit insgesamt 6.230 Kindern und Erwachsenen, die überwiegend an einem mittelschweren bis schweren atopischen Ekzem litten. Ziel war es, herauszufinden, ob die Einnahme von Antihistaminika die Beschwerden im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) lindert.
Keine nennenswerte Hilfe zu erwarten
Wie in der medizinischen Fachzeitschrift „The BJM“ nachzulesen ist, fiel die Analyse ernüchternd aus: Danach haben Antihistaminika zwar einen statistisch nachweisbaren positiven Effekt auf den Schweregrad des Ekzems und des Juckreizes. Dieser ist jedoch so gering, dass er nach Einschätzung des Forschungsteams für die Betroffenen nicht bedeutsam ist.
Auch bei anderen wesentlichen Beschwerden konnten Antihistaminika nicht überzeugen. Dass sie Schlafstörungen oder Krankheitsschübe bei einem atopischen Ekzem nennenswert verringern können, ist demnach wohl unwahrscheinlich.
