Acht Städte im Fokus
Deutsche Großstädte bereiten Stilllegung der Gasnetze vor
21.06.2026 – 14:14 UhrLesedauer: 3 Min.

Bis zum 30. Juni müssen große Städte in Deutschland ihre kommunalen Wärmepläne vorlegen. Die ersten liegen schon jetzt vor – und zeigen einen klaren Trend.
Für Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern bleibt nur noch wenig Zeit, bis die kommunalen Wärmepläne final veröffentlicht werden müssen. Stichtag ist der 30. Juni, danach sollen die Bürgerinnen und Bürger der Städte erfahren können, wie sie in Zukunft heizen können. In kleineren Kommunen muss der Wärmeplan erst in zwei Jahren, also bis 2028 vorliegen.
Einige Städte sind der Frist aber schon zuvorgekommen und haben bereits öffentlich zugängliche Wärmepläne. Das liegt zum einen daran, dass einige Bundesländer, wie etwa Baden-Württemberg, die Erarbeitung von Wärmeplänen schon vor dem Bund verpflichtend gemacht haben. Zum anderen haben manche Bundesländer ambitioniertere Klimaziele als der Bund, der bis 2045 klimaneutral werden will. Untersucht man die Wärmepläne von acht deutschen Großstädten, erkennt man ein ziemlich einheitliches Bild.
Essen will Gasnetz zum Teil auf Wasserstoff umrüsten
So planen fast alle der ausgewählten Städte eine weitgehende Stilllegung ihres Gasnetzes bis spätestens 2045, mancherorts sogar schon 2040 oder noch früher. Nur in einer Stadt wird über die Umwidmung des Gasnetzes für Wasserstoff als ernsthafte Option diskutiert: In Essen sollen rund 17 Prozent des heutigen Gasnetzes in Zukunft Wasserstoff transportieren.
Die acht Städte
Untersucht wurden die Wärmepläne von folgenden acht Großstädten: Berlin, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Leipzig, Köln, Bremen und Hannover. Insgesamt leben in diesen Städten rund zehn Millionen Menschen. Auch andere Städte, wie etwa München oder Stuttgart, bieten auf den städtischen Webseiten umfangreiche Informationen und Landkarten zu den Wärmeversorgungsoptionen in der Zukunft.
Essen hat eine vergleichsweise große industrielle Basis, die auf Wasserstoff in einer klimaneutralen Wirtschaft angewiesen sein wird. Der Wärmeplan nennt deshalb die Gebiete Karnap, Hafen und das Westviertel als besonders geeignet für eine Wasserstoffversorgung. In diesen Gebieten könnten Gebäudeeigentümer deshalb auch mit Wasserstoff heizen, wenn sie dies wünschen. Forschende warnen allerdings, dass das im Vergleich zu anderen Optionen auch nach 2045 teuer bleiben könnte.
In den anderen Städten wird Wasserstoff weitgehend abgelehnt, da er wirtschaftlich nicht tragbar wäre. Zum Teil ist davon die Rede, stattdessen Biomethan ins Gasnetz einzuspeisen – in Hannover wird dies beispielsweise als sinnvolle Option erachtet, da es schon heute einige Biogasanlagen im niedersächsischen Umland gebe. Auch hier wird aber darauf hingewiesen, dass die Versorgung vor allem in Hinblick auf Transportmöglichkeiten genauer geprüft werden müsste. In Leipzig wird Biomethan als „Brückentechnologie“ aufgeführt.
Gasverbrauch wird voraussichtlich sinken
Ansonsten sind die Pläne der Städte relativ einheitlich: Der Gasverbrauch wird sinken, da sich nach und nach immer mehr Haushalte für klimafreundlichere Lösungen wie Fernwärme oder dezentrale Systeme wie Wärmepumpen entscheiden. Die Städte wollen deshalb ihre Gasnetze ganz oder teilweise stilllegen.
Wie genau und bis wann das jeweils erfolgen soll, erläutert keine der ausgewählten Städte. Berlin will etwa als nächsten Schritt einen transparenten Stilllegungsplan erarbeiten, der Gebäudeeigentümern genügend Zeit zur Umstellung geben soll. Ähnlich verfahren wollen auch Düsseldorf, Köln und Leipzig, sobald die rechtlichen Möglichkeiten dafür geschaffen wurden.











