DDR-Traumschiff wird zerlegt
Deutsche Kreuzfahrt-Geschichte nur noch „ein Haufen Schrott“
Aktualisiert am 23.04.2026 – 09:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Die „MS Völkerfreundschaft“ war das „Traumschiff der DDR“. Nun endet die bewegte Geschichte des Kreuzfahrtschiffs endgültig.
„Das war mal ein richtig stolzes Schiff“, sagt Dieter Schumann wehmütig. „Und jetzt ist es ein Haufen Schrott.“ Der 72-Jährige war 1973 ein Dreivierteljahr Jungmatrose auf der „MS Völkerfreundschaft“. Es war das erste Kreuzfahrtschiff der DDR. Die Bürger des sozialistischen Staates kamen damit zum Beispiel bis ans Schwarze Meer – nicht nur deutlich leichter als mit dem „Trabi“, sondern auch in luxuriöser Umgebung. Aber auch Athen, im „kapitalistischen Ausland“ und damit für DDR-Bürger als Reiseziel eigentlich tabu, wurde angesteuert.
37 Jahre nach dem Mauerfall endet die Geschichte des einst in Schweden gebauten 160 Meter langen Schiffes. Zuletzt war es unter dem Namen „Astoria“ unter portugiesischer Flagge unterwegs – bis es fahruntauglich wurde. Das geschichtsträchtige Schiff wurde in eine Recycling-Werft nach Gent geschleppt, wo es derzeit abgewrackt wird.
An Bord ist der Glanz aus früheren Zeiten schon lange vergangen. Der große Speisesaal ist entkernt. Die letzten Zimmer, ein Stockwerk tiefer, sind als Nächstes dran. Auch schon vorher war die „Astoria“ nicht mehr als „MS Völkerfreundschaft“ zu erkennen. Sie wird in unzählige Einzelteile zerlegt. Dennoch könne man den Wünschen vieler Menschen nach einem Andenken an das Schiff nicht nachkommen, bedauert der Leiter des Schiffsrecyclings der Werft Galloo, Peter Wyntin.
Insgesamt 12.000 Tonnen Material werden aus dem Schiff gewonnen, neben Stahl auch Holz, Glas und Plastik. Über 97 Prozent des Materials will Galloo recyceln. Der Prozess sei durchgetaktet und für jedes Schiff, egal ob es Frachten oder Menschen transportiert, fast identisch, sagt Wyntin. „Ich würde sagen, der einzige Unterschied ist, dass mehr Müll an Bord ist, weil es ein Kreuzfahrtschiff ist.“
Das Schiff war im schwedischen Göteborg gebaut worden und trug zunächst den Namen „Stockholm“. 1948 hatte es seine Jungfernfahrt. Es war zuerst auf der Strecke zwischen Skandinavien und Nordamerika unterwegs. Am 25. Juli 1956 wurde die „Stockholm“ durch ein trauriges Ereignis weltbekannt: Im dichten Nebel vor der nordamerikanischen Küste kollidierte sie mit dem italienischen Luxusliner „Andrea Doria“. Dieser ging schließlich unter. 51 Menschen starben.
Im Video | MS Amadea: So luxuriös geht es auf dem „Traumschiff“ zu
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