„Widerwärtige Straftaten“
Deutlicher Anstieg – Kindesmissbrauch nimmt zu
21.07.2026 – 11:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Über 20.000 Opfer: Das Bundeskriminalamt verzeichnet mehr Missbrauchsfälle – und ein geändertes Vorgehen der Täter.
Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen ist im vergangenen Jahr wieder angestiegen. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Bundeslagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ hervor.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte, die Kinder müssten besonders in der digitalen Welt besser geschützt werden. „Täter dürfen sich nicht in der Anonymität des Internets sicher fühlen“, sagte Dobrindt. „Im Kampf gegen diese widerwärtigen Straftaten brauchen unsere Sicherheitsbehörden wirksame Instrumente wie die IP-Adressenspeicherung – um Täter zu identifizieren, konsequent zu verfolgen und aktiven Missbrauch zu beenden.“
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BKA zählt mehr als 20.000 minderjährige Opfer
Insgesamt wurden laut BKA 17.126 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Jahr 2025 registriert – 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei Missbrauchsfällen an Jugendlichen gab es einen Zuwachs um 4,0 Prozent auf 1.239 Fälle. 2024 hatte es in beiden Fallgruppen einen leichten Rückgang gegeben, die neuen Zahlen überstiegen aber jeweils auch die Werte für 2023.
Laut BKA wurden insgesamt 20.051 Minderjährige zu Opfern sexuellen Missbrauchs – in einem einzelnen Fall könne es mehrere Opfer geben, sagte ein BKA-Sprecher t-online. Eine deutliche Mehrheit der Opfer war weiblich. In 54 Prozent der Fälle bestand eine Vorbeziehung zwischen Tatverdächtigen und Opfern. Die Taten wurden hauptsächlich von männlichen Verdächtigen begangen.
Online-Missbrauch ohne Körperkontakt: Starke Zunahme
Ausschlaggebend für den Anstieg ist dem BKA zufolge der wachsende Anteil an Missbrauchsdelikten, die online ohne Körperkontakt stattfinden. Das BKA nennt digitale Phänomene wie Cybergrooming und Sextortion: also die gezielte Manipulation Minderjähriger über das Internet beziehungsweise Erpressung, bei der sexualisierte Bilder oder Videos verwendet werden – oft um weiteres sexualisiertes Material zu erlangen.
Sexuelle Missbrauchshandlungen ohne Körperkontakt an Kindern sind 2025 auf 4.861 Fälle gestiegen. Das ist ein Anstieg um 16,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024.
Kinder- und Jugendpornografie: Verdächtige oft selbst minderjährig
Bei den Fällen in Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten verzeichnet das Lagebild im Jahresvergleich einen deutlichen Zuwachs um 19,9 Prozent. Dabei könnte laut BKA die Nutzung von KI eine Rolle spielen. Aber auch generell nehme das Versenden eigener oder fremder jugendpornografischer Dateien im Internet zu. Umgekehrt könnten Präventionskampagnen dazu beigetragen haben, dass mehr Fälle zur Anzeige gebracht wurden, hieß es. Gut die Hälfte der Tatverdächtigen war selbst minderjährig.
Einen Rückgang gab es dagegen bei Fällen mit kinderpornografischen Inhalten. Auch hier waren die meisten Tatverdächtigen Minderjährige. Ursache für den Rückgang sei auch eine Strafrechtsänderung, hieß es. So kann seit Juni 2024 auf eine Strafverfolgung verzichtet werden, wenn die Schuld als gering angesehen wird – zum Beispiel, wenn Eltern oder Lehrkräfte pornografische Inhalte zur Warnung oder als Beitrag zur Tataufklärung weiterleiten.
