Vom Hype zur Realität – Biontech, Shootingstar der Corona-Pandemie, hat zu kämpfen. Standorte werden geschlossen. Die Aktie ist seit Jahren angeschlagen. So geht es weiter.
Die früheren Erfolge von Biontech sind Geschichte. Der Höhenflug an der Börse auch. Weitere Erfolge werden gesucht. Die Kursentwicklung spricht Bände: Vom Rekordhoch bei über 320 Euro im November 2021 ist noch ein Viertel übrig. Die Biontech-Aktie notiert derzeit bei rund 80 Euro. Seit dem vergangenen Jahr pendelt sie in einer Spanne von ungefähr 80 bis 100 Euro. Die Fantasie aus der Corona-Zeit ist verpufft.

Zur Person
Antje Erhard arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin und TV-Moderatorin. Ihr Weg führte sie von der Nachrichtenagentur dpa-AFX u. a. zum ZDF. Derzeit arbeitet sie für die ARD-Finanzredaktion in Frankfurt und berichtet täglich, was in der Welt der Börse und Wirtschaft passiert.
Den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen
Biontech hat während der Pandemie einen Corona-Impfstoff in kürzester Zeit mit einer bahnbrechenden neuen Technologie entwickelt. Es avancierte zum Forschungs-Vorzeige-Unternehmen in Deutschland in einem Wettbewerb um Leben und Zeit mit dem US-Konkurrenten Moderna, der ebenfalls an einem Corona-Impfstoff forschte. Und es ebenfalls schaffte.
Biontech und sein US-Partner Pfizer wie auch Moderna bewirkten, dass viele Menschen nicht an Corona erkrankten oder einen milderen Verlauf hatten. Der Impfstoff war weltweit händeringend gefragt. Biontech verdiente Milliarden. Wurde über Nacht berühmt. Die Aktie schoss in die Höhe.
Unfassbar hohe Erwartungen
Zugleich stiegen die Hoffnungen und Erwartungen an Biontech. Und die waren – siehe Börsenkurs – so hoch, dass es gar nicht möglich war, sie zu erfüllen: Denn Biontech ist nach wie vor ein Biotech-Unternehmen, kein Pharma-Konzern. Das heißt, Forschung und Entwicklung stehen im Mittelpunkt. Und das braucht Zeit.
Das Gründer-Ehepaar Şahin Türeci steht für diese bahnbrechende Forschung. In diesem Frühjahr aber kündigten Uğur Şahin und Özlem Türeci an, Biontech zu verlassen, um an weiteren Wirkstoffen etwa für die Onkologie zu forschen. Forscher- statt Unternehmertum. Fair enough.
Die Gründer gehen
Zugleich gingen aber damit die beiden prägenden Gesichter des Unternehmens von Bord. Verständlich, dass Wissenschaftler forschen wollen, statt Produkte zu verkaufen. Verständlich auch, dass das Börsenwert kostet. Die Frage ist: Was ist von Biontech geblieben?
Die Börse hatte schon die Antwort gegeben, als die Nachricht vom Ausstieg der beiden Gründer bekannt geworden war: Der Kurs fiel, wie oben beschrieben. Für einen Wandel zum Pharmakonzern braucht es weitere Produkte, aber die gibt es noch nicht. Biontech forscht zum Beispiel an Krebsimpfstoffen auf Basis der berühmt gewordenen und vielseitigen mRNA-Therapie und an Immuntherapien gegen Tumore.
Doch solche Therapien und Impfstoffe entwickeln sich nicht über Nacht. Der Corona-Impfstoff war die berühmte Ausnahme. Daran ändert auch die Tatsache vorerst nichts, dass Biontech nach wie vor über viele finanzielle Mittel verfügt – 17 Milliarden Euro laut Nachrichtenagenturen.











