Osteoporose-Studie

Auf Calcium setzen? Etwas anderes könnte entscheidender sein


03.08.2026 – 15:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Frau mit Rückenschmerzen (Symbolbild): Schätzungen zufolge leben in Deutschland mindestens sechs Millionen Menschen mit der Diagnose Osteoporose. (Quelle: Moyo Studio/getty-images-bilder)

Bei Osteoporose gehören Calciumpräparate oft zur Therapie. Eine Studie legt nun nahe, dass ein anderer Nährstoff womöglich mehr Beachtung verdient.

Wer an Osteoporose (Knochenschwund) leidet, bekommt häufig neben Medikamenten auch Calciumpräparate empfohlen. Schließlich gilt Calcium als wichtiger Baustein für stabile Knochen. Eine neue Studie deutet jedoch darauf hin, dass zusätzliche Calciumtabletten nicht allen Betroffenen einen Vorteil bringen. Zumindest dann, wenn über die Ernährung bereits genug Calcium aufgenommen wird. Entscheidend könnte stattdessen sein, ob sie ausreichend Eiweiß zu sich nehmen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „Osteoporosis International“.

Gut zu wissen

Calcium ist der wichtigste Mineralstoff der Knochen. Rund 99 Prozent des körpereigenen Calciums sind dort gespeichert. Sinkt der Calciumspiegel im Blut, setzt der Körper Calcium aus den Knochen frei, um lebenswichtige Funktionen wie die Muskel- und Nervenfunktion aufrechtzuerhalten. Eine dauerhaft zu geringe Calciumzufuhr kann deshalb den Knochenabbau fördern.

Calciumpräparate ohne klaren Zusatznutzen

Ein Forschungsteam der Universitätsklinik Genf wertete Daten von 586 Frauen aus. Sie waren im Schnitt 67 Jahre alt und wurden über rund dreieinhalb Jahre beobachtet. Einige bekamen eine Hormonersatztherapie, andere nahmen sogenannte antiresorptive Osteoporose-Medikamente wie Bisphosphonate, Denosumab oder Raloxifen ein. Eine dritte Gruppe erhielt keine spezielle Osteoporose-Therapie.

Kurz erklärt: Antiresorptive Therapie

Unter einer antiresorptiven Behandlung versteht man Medikamente, die gezielt in den Knochenstoffwechsel eingreifen und den Abbau von Knochensubstanz verlangsamen. Sie werden vor allem bei Osteoporose und bei Knochenbeteiligung von Tumorerkrankungen eingesetzt, um die Knochen zu stärken und Brüche zu verhindern.

Die Wissenschaftler erfassten, wie viel Calcium und Eiweiß die Frauen über Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel aufnahmen. Außerdem wurde jährlich die Knochendichte an der Hüfte gemessen. Zusätzlich untersuchte das Team die Knochenfestigkeit mithilfe spezieller Analyseverfahren.

Die meisten Teilnehmerinnen waren demnach bereits gut mit Calcium versorgt: Im Durchschnitt nahmen sie täglich rund 1.500 Milligramm auf, etwa jede zweite nutzte zusätzlich Calciumpräparate. Trotzdem zeigte sich: Weder die gesamte Calciumzufuhr noch die Einnahme von Calciumtabletten verbesserten die Knochendichte oder die Knochenfestigkeit messbar.

Stärkerer Zusammenhang bei Eiweiß

Anders sah es beim Eiweiß aus. Frauen, die weniger als 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag aufnahmen, profitierten deutlich weniger von antiresorptiven Osteoporose-Medikamenten als Frauen mit einer ausreichenden Eiweißzufuhr.

Wie viel Eiweiß wird empfohlen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Menschen ab 65 Jahren eine tägliche Eiweißzufuhr von 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Für eine Person mit 70 Kilogramm entspricht das etwa 70 Gramm Protein pro Tag. Gute Quellen sind etwa Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sowie Hülsenfrüchte wie Soja, Linsen und Erbsen.

Calcium bleibt dennoch wichtig

Die Studie bedeutet jedoch nicht, dass Calciumpräparate grundsätzlich überflüssig sind. Bei Frauen mit sehr niedriger Calciumaufnahme – unter 800 Milligramm pro Tag – schienen Osteoporose-Medikamente ohne zusätzliche Calciumgabe keinen klaren Nutzen zu zeigen.

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