„Längst alle tot“
Brand im Tunnel – ICE-Übung endet im Fiasko
10.08.2026 – 00:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Großübung im Thüringer Eisenbahntunnel sollte Rettungskräfte auf den Ernstfall vorbereiten. Das Ergebnis war alarmierend.
Mehr als 100 Passagiere sitzen in einem ICE, als der Zug in einem Tunnel plötzlich in Brand gerät. Das Szenario spielt sich im 1.320 Meter langen Sandbergtunnel nahe Stadt Ilm in Thüringen auf der Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt ab. Das Feuer breitet sich rasant im Tunnel aus, der Lokführer gibt einen Notruf ab. Doch es dauert mehr als zwei Stunden bis die Einsatzkräfte eintreffen, um die teils schwer verletzten Insassen zu retten.
Der Vorfall war glücklicherweise nicht real, sondern eine Simulation. Mehr als 250 Einsatzkräfte aus ganz Thüringen hatten am Samstag den Rettungseinsatz im Eisenbahntunnel simuliert – mit rund 100 als Zugpassagiere eingesetzten Komparsen. Am Ende gab es ein erschütterndes Fazit: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“, teilte ein Feuerwehrexperte dem Portal „Insuedthueringen“ mit.
Im Mittelpunkt der Übung, die besonders realitätsnah sein sollte, stand den Angaben des Thüringer Ministeriums für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren beteiligten Organisationen. Doch den Berichten zufolge waren die Abläufe bei dem simulierten Rettungseinsatz chaotisch.
Branddirektor: „Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit“
Medienberichten zufolge setzte der Lokführer gegen 10.15 Uhr planmäßig einen Notruf ab. Nach dem vorgesehenen Ablauf sollte der Alarm zunächst die Notfallzentrale der Deutschen Bahn erreichen, anschließend die regionale Rettungsleitstelle und schließlich die Tunnelfeuerwehren. Die Einsatzkräfte sollen in 10 bis maximal 25 Minuten am Einsatzort eintreffen. „Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit“, hatte Marc Stielow, Branddirektor im Thüringer Innenministerium, vor der Übung erklärt.
Doch nach Informationen von „Insuedthueringen“ trafen die ersten Kräfte erst um 12.22 Uhr, also zwei Stunden und sieben Minuten nach dem ersten Alarm, am Nordeingang des Tunnels ein. Erfahrene Einsatzkräfte, die im Tunnel als Beobachter anwesend gewesen seien, hätten sich fassungslos gezeigt.

Was genau die Panne verursacht hat, ist bislang nicht klar. Offenbar wurde der Alarm aber zu spät weitergegeben. Wie „Insüdthüringen“ berichtet, informierte die Bahn die Rettungsleitstelle Mittelthüringen offenbar erst 30 Minuten später über einen „Notfall“. Weitere 30 Minuten sollen vergangen sein, bis die umliegenden Feuerwehren alarmiert wurden. Auch danach habe es demnach weitere Verzögerungen gegeben. Erfahrene Einsatzkräfte vor Ort sollen sich schockiert gezeigt haben.









