Dass die Entscheidung des Weltboxverbands einen besonderen Stellenwert für das Ende der Ächtung russischer Sportler auf der internationalen Bühne hat, daraus macht auch Putins Sportminister keinen Hehl: „Die Entscheidung des internationalen Verbandes ist besonders wichtig, da World Boxing vom Internationalen Olympischen Komitee mit der Ausrichtung des olympischen Boxturniers beauftragt ist. Die Vollmitgliedschaft des Russischen Boxverbands ebnet den Weg für die uneingeschränkte Teilnahme russischer Boxer an internationalen Wettkämpfen, einschließlich der olympischen Zyklen“, schrieb Degtjarjow in der Stellungnahme.

Michail Degtjarjow ist seit 2024 auch Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands und aktiv daran beteiligt, den jahrelangen Bann russischer Athleten auf der internationalen Sportbühne rückgängig zu machen. Zuvor war er von Russlands autoritärem Machthaber Wladimir Putin als Gouverneur der an China grenzenden Region Chabarowsk eingesetzt worden.

Russlands Sportminister bei der Eröffnung der russisch-chinesischen Sommer-Jugendspiele in Kaliningrad. (Quelle: IMAGO/Alexander Melekhov)

Putins Minster sprach von „purem Verrat“

Nachdem Degtjarjow in dieser Funktion jedoch den Unmut der Bevölkerung auf sich gezogen hatte – unter anderem forderte ein Teil der Bürger mittels einer Petition, er solle an die Front in der Ukraine geschickt werden – ging der Politiker nach Moskau und übernahm die wichtigsten Ämter in der Sportpolitik Russlands.

Der 45-Jährige gilt als ausgesprochener Hardliner. So drohte er russischen Sportlern, die eine andere Staatsbürgerschaft angenommen haben, um bei internationalen Wettbewerben nicht mehr für Russland starten zu müssen, harte Strafmaßnahmen an. Im Fall des für Deutschland startenden Eiskunstläufers Nikita Wolodin sprach Degtjarjow etwa von „purem Verrat“. Man müsse solchen Athleten „alles nehmen“, kündigte er im Frühjahr an. Da hatte Wolodin mit seiner Partnerin Minerva Hase gerade bei den Olympischen Winterspielen Bronze für die Deutsche Eislauf-Union gewonnen.

Weil er für Deutschland startet: Nikita Wolodin (r.) zog den Zorn von Russlands Sportminister auf sich. (Quelle: IMAGO/Raniero Corbelletti)

IOC-Entscheidung: Ukraine will erneut den Rechtsweg gehen

Die Entscheidung des IOC, russische Athleten schrittweise wieder zuzulassen, hatte in der Sportwelt große Empörung ausgelöst. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine kündigte am Mittwoch an, gegen die Entscheidung des IOC Berufung einlegen zu wollen. Es argumentiert, dass sich an der rechtlichen Bewertung, die zum Ausschluss des russischen Verbands geführt hatte, nichts geändert habe.

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