Ukraine-Talk bei „Illner“
Auf Laschets Rat an Selenskyj folgt Widerspruch
Aktualisiert am 23.10.2026 – 01:39 UhrLesedauer: 4 Min.
Trumps ehemaliger Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci erhebt bei Maybrit Illner einen schweren Vorwurf gegen seinen früheren Chef. Armin Laschet setzt im Umgang weiter auf Diplomatie.
Elf Tage arbeitete Anthony Scaramucci als Kommunikationsdirektor für Donald Trump. Bei „Maybrit Illner“ äußerte er einen weitreichenden Verdacht über den US-Präsidenten: „Ich denke, er ist kompromittiert worden von Wladimir Putin.“
Die Gäste
- Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
- Stormy-Annika Mildner, Direktorin des Aspen Institute
- Frederik Pleitgen, Auslandskorrespondent für CNN
- Michael Mittermeier, Kabarettist
- Anthony Scaramucci, ehemaliger Kommunikationsdirektor von Donald Trump
Aus New York zugeschaltet, verwies Scaramucci auf Trumps politische Entscheidungen. Seit 2017 seien so viele Wünsche Putins erfüllt worden, dass sich daraus eine Liste erstellen lasse: „Man kann wirklich eine Checkliste runterlesen dessen, was sich Wladimir Putin gewünscht hat zwischen 2017 und heute. Da gibt es 25 bis 30 Punkte auf dieser Liste.“ Vernachlässigte Verbündete, der Handelskrieg mit Kanada, Drohungen gegen Grönland, ein mehrfach im Stich gelassener ukrainischer Präsident: Für Scaramucci ergibt das ein eindeutiges Muster.
Scaramucci zieht Umfragewerte heran
Dass er mit seiner Einschätzung weiter gehe als andere, räumte Scaramucci selbst ein: „Ich bin da vielleicht noch etwas aggressiver.“ Andere hätten vielleicht keine ganz so harsche Meinung, aber immer mehr Menschen schlössen sich dieser Sicht an.
Er zog auch Umfragewerte heran. Nur 27 Prozent unterstützten Trumps Wirtschaftspolitik, seine allgemeine Zustimmung liege bei etwa 34 Prozent. Damit bewege er sich auf dem Niveau von George W. Bush 2006 oder Harry Truman 1946. Der Ukraine stünden dagegen nach Scaramuccis Angaben 70 Prozent der Amerikaner zur Seite. Auch im Umgang mit dem Senat sah er einen Widerspruch: Trump habe per Dekret Sanktionen aufgehoben, die Lindsey Graham vorgeschlagen und 86 Senatoren über die Parteigrenzen hinweg unterstützt hätten.
Illner zu Laschet: „Täter-Opfer-Umkehr“
Armin Laschet musste sich für eine frühere Äußerung erklären. Illner ließ seine Forderung an Selenskyj einspielen: „Selenskyj muss einen Weg finden, die Amerikaner bei der Stange zu halten, bei der Unterstützung mit Starlink beispielsweise oder bei Geheimdienstinformationen.“ Wie er das anstelle, müsse der ukrainische Präsident selbst abwägen. Ratschläge könne man ihm dabei nicht geben.
Die Moderatorin fragte nach. Es sei also Selenskyjs Aufgabe, Trump bei der Stange zu halten? Laschet bestätigte das. „Entschuldigung, wenn ich das so frage. Es hat uns verwundert, weil man könnte sagen: Täter-Opfer-Umkehr. Aber wie soll er das machen?“ Laschet argumentierte, auch die Europäer bemühten sich täglich darum, Trump eingebunden zu halten. Ob öffentliche Bemerkungen in amerikanischen Medien dabei nützlich seien, bezweifelte er – jedenfalls dann, wenn der Präsident darauf allergisch reagiere.
Mittermeier: „Sind wir so abgestumpft?“
Michael Mittermeier störte schon die Richtung dieser Diskussion. Der aus München zugeschaltete Kabarettist, der Amerikanistik und Politologie studiert hat und regelmäßig in den USA auftritt, erinnerte die Runde an ihre eigene Lage: „Wir sitzen hier in einem sicheren Land. Sind wir so abgestumpft[…]?“ Dass die Debatte Selenskyj die Aufgabe zuschiebe, Trump bei der Stange zu halten, hielt er für verfehlt.