Folgen des Iran-Kriegs

Bald drohen auch in Europa Knappheiten


20.04.2026 – 12:31 UhrLesedauer: 2 Min.

Textilfabrik in Bangladesch (Symbolbild): Es könnte zu einem Mangel kommen. (Quelle: IMAGO/Ahmed Salahuddin/imago)

Auch in Europa könnte es aufgrund des Iran-Kriegs bald zu Produktknappheiten kommen. Grund sind Lieferketten aus Asien.

Der Krieg im Iran trifft die asiatische Wirtschaft hart. Dauert er weiter an, könnten sich die Folgen weiter auf die gesamte Welt ausbreiten, zeigt eine Analyse der „New York Times“ (NYT). Demnach droht aufgrund globaler Lieferketten ein Mangel zahlreicher Produkte. Betroffen sein könnten unter anderem Plastiktüten, Instantnudeln, Impfstoffe, Spritzen, Lippenstift, Mikrochips und Sportbekleidung.

Die Lage in Asien ist bereits gravierend, da die Region besonders stark auf Energieimporte aus dem Nahen Osten angewiesen und stark von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Bereits vor dem Krieg reichten die Kapazitäten nicht aus, um den Energiebedarf zu decken. Reichere Länder wie China können die aktuellen Probleme zwar noch auffangen, in anderen Ländern sind die Probleme bereits deutlich spürbar.

Doch auch die Produktherstellung gerät laut der „NYT“ in Probleme. So ist die Kupfer- und Nickelproduktion auf hohe Temperaturen durch Erdgas und Schwefel, ein Nebenprodukt fossiler Brennstoffe, angewiesen. Indonesische Nickelverarbeiter mussten demnach bereits ihre Produktion zurückfahren.

Auch die Kleidungsbranche steht vor großen Herausforderungen, weil Polyester und Nylon aus Erdöl gewonnen werden. In Bangladesch, wo auch große Mengen Kleidung für den europäischen Markt hergestellt wird, gibt es bereits Produktions- und Lieferengpässe. Abdullah Hil Nakib, stellvertretender Geschäftsführer von TEAM, einer bangladeschischen Textilfabrikgruppe, sagte der „NYT“: „Die Belastung, unter der wir jetzt stehen, wird ohne eine kontinuierliche Gas- oder Treibstoffversorgung sehr schwierig zu bewältigen sein.“ Dazu kommen stetig steigende Rohstoffpreise, etwa beim Garn.

Ebenso könnte es zu einem Mangel an Computerchips kommen. Zur Produktion wird Helium benötigt. Bisher hat Katar ein Drittel des Bedarfs gedeckt, die Produktion zwischenzeitlich aber komplett eingestellt, nachdem Gasanlagen vom Iran angegriffen worden waren. Einzelne Hersteller sollen bereits die Produktion gedrosselt haben.

Der Mangel könnte sich nun weiter fortsetzen. Das würde zu Auswirkungen von der weltweiten Elektronikbranche bis zur Autoproduktion. Alternativ müssten sich Chiphersteller neue Lieferanten suchen – zum Beispiel Russland, den drittgrößten Heliumproduzenten der Welt.

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