Risiko im Altersvorsorgedepot?

Geld anlegen wie die Superreichen


15.05.2026 – 11:16 UhrLesedauer: 5 Min.

Investieren wie Milliardäre: Im Altersvorsorgedepot sind auch ELTIFs erlaubt, eine Anlageklasse, die Kleinanlegern lange verwehrt war.

Investieren wie Milliardäre: Im Altersvorsorgedepot sind auch ELTIFs erlaubt, eine Anlageklasse, die Kleinanlegern lange verwehrt war. (Quelle: Johnce/getty-images-bilder)

Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ablösen. Sparer können dann auch in sogenannte ELTIFs investieren. Wie sinnvoll ist das?

Das neue Altersvorsorgedepot gilt vielen als staatlich gefördertes ETF-Sparen. Doch die Bundesregierung hat noch etwas anderes ermöglicht: Vorsorgesparer können auch in sogenannte Private Markets investieren, also in Anlageklassen, die lange Zeit Pensionskassen, Versicherungen oder vermögenden Menschen vorbehalten waren. Erst seit 2024 können Kleinanleger über sogenannte ELTIFs an dieser Art Investment teilhaben – und sich diese ab 2027 dann eben auch ins Altersvorsorgedepot legen.

Doch wie sinnvoll ist das? t-online erklärt, was ELTIFs überhaupt sind, welche Chancen und Risiken sie bieten, welche Argumente ihre Befürworter anführen und was Verbraucherschützer denken.

Was sind ELTIFs?

ELTIF steht für „European Long-Term Investment Fund“. Es handelt sich also um langfristig ausgerichtete Fonds, die die Europäische Union ins Leben gerufen hat, um privates Geld in nicht börsennotierte Firmen (Private Equity), Wind- und Solarparks sowie Infrastrukturprojekte wie Flughäfen oder Telekommunikationsnetze zu lenken.

„Der entscheidende Unterschied zu ETFs ist: ELTIFs investieren in Dinge, die Sie an der Börse gar nicht kaufen können“, sagt Robin Binder, CEO der Berliner Investmentplattform Nao. Für ihn sind ELTIFs daher eine Möglichkeit, das eigene Portfolio breiter aufzustellen.

„Wenn unerwartete Ereignisse eintreten, reagiert die Börse oft sehr schnell. Private Markets bewegen sich langsamer“, sagt Binder. Vor allem als Ergänzung zu klassischen Anlagen könnten ELTIFs sinnvoll sein. „Eine Beimischung kann dazu beitragen, ein Portfolio stabiler zu machen und gleichzeitig das Renditepotenzial zu erhöhen.“

Zur Person

Robin Binder ist Gründer und CEO der Investmentplattform Nao, die sich darauf spezialisiert hat, Privatanlegern Zugang zu alternativen Anlageklassen zu ermöglichen. Seine Karriere begann er vor rund zehn Jahren bei der UniCredit Bank AG im Bereich Corporate Banking. Zuletzt arbeitete Binder als Geschäftsführer eines in Berlin ansässigen Single-Family-Office. Dabei handelt es sich um eine Art Finanzzentrale für sehr vermögende Familien, die sich darum kümmert, Vermögen zu verwalten und langfristig zu sichern.

Auch große Vermögensverwalter sehen in solchen Anlagen eine wachsende Bedeutung. Blackrock-Chef Larry Fink etwa stellte jüngst das klassische 60/40-Portfolio infrage, bei dem Anleger zu 60 Prozent in Aktienfonds und zu 40 Prozent in Anleihen investieren, und plädierte für einen höheren Anteil alternativer Investments.

Verbraucherschützer sind skeptisch

Das sehen allerdings nicht alle so. Die Experten des Geldratgebers „Finanztip“ raten von ELTIFs ab und machen bei dieser Anlageklasse gleich mehrere Probleme aus: hohe Kosten, unklare Rendite und Abhängigkeit vom Fondsmanagement. Auch haben ELTIFs mitunter lange Halte- und Kündigungsfristen. Anleger können ihre Anteile also nicht einfach jederzeit verkaufen, wie sie es von börsengehandelten ETFs gewohnt sind.

Während ETFs ohne Manager auskommen und daher oft nur 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr kosten, liegen ELTIFs häufig bei deutlich über 2 Prozent. „Zuzüglich möglicher Erfolgsbeteiligungen ist man schnell bei 4 oder 5 Prozent pro Jahr. Im Vergleich zu ETFs sind das natürlich irre hohe Kosten“, sagt „Finanztip“-Chefredakteur Saidi Sulilatu zu t-online. Diese Kosten müssten erst einmal wieder hereingeholt werden. Ob das gelingt, ist unklar.

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