„Ich schaffe das nicht“
Florenz erstickt im Müll: Arbeiter demonstrieren
11.07.2026 – 04:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Mitarbeiter der Müllabfuhr in Florenz machen ihren Arbeitgeber für die Abfallmisere verantwortlich. Sie fordern wieder mehr Eigenverantwortung.
In der italienischen Großstadt Florenz stapeln sich die Müllberge, und jetzt gehen Angestellte der Müllabfuhr auf die Straße. Sie werfen den Müllunternehmen vor, ihre Einsätze falsch zu planen und deshalb die Situation zu verschärfen.
Mit einer Demonstration am Palazzo Vecchio, wo sich die Stadtverwaltung befindet, machten Beschäftigte des Abfuhrunternehmens Alia am Freitag ihrem Unmut Luft. Die Gewerkschaften Cgil, Cisl, Uil, Fiadel und Cobas hatten zur Arbeitsniederlegung und einer Protestkundgebung aufgerufen.
Ärger wegen neuen Schichten
Sie kritisieren vor allem drei Punkte: Personalmangel, einen neuen Algorithmus zur Schichtplanung und die Wiedereingliederung der bislang ausgelagerten Haustür-Müllabfuhr in der 30 Kilometer entfernten Stadt Empoli, ohne dafür neues Personal eingestellt zu haben. Gerade die neue Schichteinteilung löst Kritik aus, weil sie nach Angaben der Gewerkschaften die Beschäftigten mit bislang festen Arbeitszeiten dazu zwinge, zu jeder beliebigen Uhrzeit zu arbeiten.
„Wir waren beim Präfekten, haben Sitzungen abgehalten, uns wurden Versprechen gemacht – vergeblich. Nicht einmal das sogenannte Hitzeprotokoll, das verhindern soll, dass wir während der heißesten Stunden arbeiten müssen, wird eingehalten“, erklärt der Arbeitnehmervertreter Alessandro Galomini der italienischen „Corriere della Sera“.
Kritik an computergestützter Verwaltung
In der beliebten Urlaubsstadt, die wegen ihrer Kunstschätze und Bauten bekannt ist, stapeln sich die Müllberge, Container quellen über und es reicht in den Straßen nach Abfall, berichtet die Zeitung. Das liegt wohl auch an der Arbeitseinteilung. Ein Demonstrant zeigte laut der Zeitung eine Karikatur, auf der ein Mitarbeiter zu sehen ist, der allein Altpapier einsammelt und ruft: „Ich schaffe das nicht! Wenn ich doch nur einen Kollegen hätte, der mir hilft.“
„Früher hatte jedes Gebiet seine eigene Leitung, die auch vor Ort tätig war. Seit etwa einem Jahr gibt es eine zentralisierte und computergestützte Verwaltung. Deshalb gibt es niemanden mehr, der uns an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Platz schickt, weil dort ein Markt oder ein Fest stattfindet und die Container deshalb zusätzlich geleert werden müssen. Stattdessen fahren wir sogar an Containern vorbei, die leer sind“, sagte Gewerkschaftler Galomini.
Arbeitnehmervertreterin kritisiert Routenplanung
Auch die Arbeitnehmervertreterin für Sicherheit, Daniela Monti, berichtete von Mängeln in der Organisation der Müllabfuhr. „Von Alia erhalten wir Meldungen über die erforderlichen Einsätze, aber ohne eine sinnvoll geordnete Route. Wer das Gebiet kennt, kommt irgendwie zurecht. Wer sich jedoch nicht auskennt, fährt von einem Ende der Stadt zum anderen und muss anschließend wieder in die Nähe seines Ausgangspunkts zurückkehren. Das Ergebnis ist, dass am Ende des Tages weniger Einsätze erledigt wurden“, teilte sie der „Corriere“ mit.
