„Das muss man so klar sagen“
Berlins Ex-Bürgermeister Müller wird wegen Eralp deutlich
Aktualisiert am 29.10.2026 – 14:31 UhrLesedauer: 3 Min.
Linken-Politikerin Eralp legt versehentlich Befürchtungen vor Übergriffen auf ihre Familie offen. Kritiker von Rot-Rot-Grün in der Hauptstadt reagieren.
Linken-Politikerin Elif Eralp ist in die Kritik geraten, nachdem der „Spiegel“ berichtet hat, dass sie Repressalien von Hamas-Sympathisanten gegen ihre Familie fürchtet, sollte sie den pro-palästinensischen Aktivisten Ibrahim Ibrahim in einem Interview namentlich erwähnen. Berlins ehemaliger SPD-Bürgermeister Michael Müller sagte dem Sender Phoenix, wenn Eralp sich nicht traue, klar zu benennen, wogegen sie vorgehen möchte, „würde das bedeuten, dass die Regierende Bürgermeisterin erpressbar ist. Das muss man so klar sagen.“
Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach rückte indirekt von Eralp ab. „Wer diese Stadt regieren will, muss Gefahren deutlich benennen und Berlin vor ihnen schützen“, sagte er der Zeitung „Die Welt“. „Weder Clan-Bosse noch ein Ibrahim Ibrahim dürfen in Berlin was zu sagen haben.“
Eralp hatte die Wahl in Berlin im September gewonnen. Die Linken-Politikerin war jedoch unter anderem wegen antisemitischer Tendenzen in Teilen ihrer Partei in die Kritik geraten.
Am Donnerstag hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über Eralps Befürchtungen berichtet. Dies gingen aus ihren internen Anmerkungen hervor, die ihr Büro versehentlich mit dem Interviewtext an das Magazin zurückgeschickt hatte. Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden möchte, und die Linken-Landeschefin Kerstin Wolter wollten sich zunächst nicht äußern. In einem Statement sagte Eralp später, sie werde sich „von niemandem einschüchtern lassen“.
Ramelow rügt Vorgehen des „Spiegel“
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz reagierte mit Entsetzen auf den „Spiegel“-Bericht. „Es handelt sich um eine schockierende und inakzeptable Situation“, sagte der Innenpolitiker der Nachrichtenagentur dpa. „Dass Elif Eralp sich ernstlich Sorgen um ihre Familie machen muss, wenn sie den Namen von Ibrahim Ibrahim nennt, macht mich sehr betroffen.“
Der frühere Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte das „Spiegel“-Vorgehen, „mehr als fragwürdig“. Damit werde „ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt – und noch schutzloser gemacht“, sagte Ramelow dem „Stern“. Eine rein interne Kommunikation werde dazu benutzt, „um eine schwache Frau zu zeigen“. Dies sei ein „anachronistisches Klischee“.
Kritik auch aus der Union
Doch kam auch Kritik an Eralps Einlassung auf. „Sollte das so stimmen, gibt es da erheblichen Klärungsbedarf“, sagte Müller zu dem „Spiegel“-Bericht. Dann würde das „bedeuten, dass die Regierende Bürgermeisterin erpressbar ist“, sagte Müller dem Fernsehsender Phoenix. Der SPD-Politiker war von 2014 bis 2021 Regierungschef in Berlin.
Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler sagte dem „Focus“, der Zustand der Linken in Berlin sei „sogar noch viel schlimmer als befürchtet“. „Falls noch irgendjemand Zweifel hatte, dürften die jetzt beseitigt sein.“ Müller und Fiedler hatten sich schon zuvor kritisch über eine mögliche Rot-Rot-Grüne Koalition in Berlin geäußert.
