Nach zwei Schlaganfällen
So kämpft sich Lena ins Leben zurück
29.10.2026 – 16:33 UhrLesedauer: 3 Min.

Zum Welt-Schlaganfalltag macht die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe auf die Folgen der Erkrankung aufmerksam. Lena war erst 19, als sich ihr Leben für immer veränderte.
Alles fing im Sommer 2020 mit Kopfschmerzen an. „Das wird bestimmt Migräne sein“, vermutete die damals 19-jährige Lena. Was die Hamburgerin zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Sie litt an einer Sinusthrombose, einem Blutgerinnsel in den großen Venen im Gehirn. Durch das Gerinnsel konnte das Blut nicht richtig abfließen.
Eines Tages ging es ihr besonders schlecht. „Aber irgendwie habe ich den Moment verpasst zu sagen, dass ich Hilfe brauche“, erzählt die heute 26-Jährige im Gespräch mit der Hamburger Regionalredaktion von t-online. Letztlich war es ihr damaliger Partner, der ein ungutes Gefühl hatte und deshalb früher von der Arbeit nach Hause kam. Dort fand er Lena bewusstlos.
Schlaganfall durch die Antibabypille?
Von diesem Tag an änderte sich Lenas Leben vollständig. Ihre Diagnose wird bei jungen Menschen selten gestellt: Sie hatte einen Schlaganfall erlitten. Der Auslöser war laut ihren Ärzten die Antibabypille. In der Tat können östrogenhaltige Medikamente die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen.

Ab dem Moment, in dem die Diagnose feststand, begann für Lena eine Odyssee: Sechs Wochen Krankenhausaufenthalt, davon vier Wochen auf der Intensivstation, danach eine Reha. In der Rehaklinik erlitt die junge Frau dann einen weiteren Rückschlag: Lena hatte ihren zweiten Schlaganfall. Die Folgen waren weitaus schlimmer als die des ersten. Lena war halbseitig gelähmt, sie konnte nicht laufen und einen Arm nicht mehr bewegen.

Schlaganfall
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Meist ist ein verstopftes Blutgefäß die Ursache, seltener eine Hirnblutung. Typische Anzeichen sind plötzliche Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Rund 80 Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland sind mindestens 60 Jahre alt. Bei jungen Menschen sind Schlaganfälle dagegen selten.
„Ich kann mir die Farben meines Rollstuhls aussuchen“
Zwar war der zweite Schlaganfall weniger lebensbedrohlich, er hatte aber die stärkeren körperlichen Auswirkungen, sagt Lena. „Ich kann mir die Farben meines Rollstuhls aussuchen. Ich werde ein Pflegefall bleiben. Das sind alles Sachen, die mir auch von Therapeuten gesagt wurden, damals mit 19 Jahren“, erzählt sie.
Auch um ihre Ausbildung sorgte sie sich. Vor ihren Schlaganfällen war Lena auf dem besten Weg, Gesundheits- und Krankenpflegerin zu werden. „Ich dachte, ich kann meine Ausbildung an den Nagel hängen“, erinnert sich die Hamburgerin.
Orthese ermöglicht erste Schritte
Neue Hoffnung gab Lena ein Medizintechniker der Firma Ottobock, der sie eine Orthese anprobieren ließ. Innerhalb eines Tages konnte sie damit die ersten Schritte machen. Die Medizintechnik führte sie zurück in ihr altes Leben und sie beendete ihre Ausbildung – mit Erfolg. „Ich bin eine von Hamburgs Jahrgangsbesten geworden“, verrät Lena.
