Was genau meinen Sie damit?
Diese Partei hat keine Lösungen für die Probleme der Menschen. Wer sich ernsthaft mit dem Parteiprogramm beschäftigt, erkennt schnell: Die AfD will zurück in eine Zeit, die es so nie gegeben hat.
Wie konnte die AfD dann so stark werden?
Weil die etablierten Parteien jahrzehntelang geschlafen haben. Die deutsche Industrie hat in Arroganz gelebt und geglaubt, sie sei unantastbar – während die Menschen in strukturschwachen Regionen das Gefühl hatten, abgehängt zu werden. Die FDP hat Kompromisse gemacht, um an der Macht zu bleiben, statt klare Kante zu zeigen. Und die SPD? Die hat ihre Stammwählerschaft verraten. Das Ergebnis: Millionen politisch heimatloser Bürger, die sich verlassen und verraten fühlen.
Sie sind in Argentinien geboren, haben britische und deutsche Wurzeln. Was würden Sie tun, wenn die AfD eine Regierung bilden würde?
Meine Eltern sind damals vor den Nazis nach Argentinien geflohen. Sie wollen darauf hinaus, ob ich das auch tun würde?
Nein, ich liebe Deutschland – und ich werde dieses Land nicht aufgeben. Es jetzt den Extremisten zu überlassen, wäre nicht nur feige, sondern historisch blind: Gerade jetzt müssen wir Demokraten laut sein und uns engagieren. Diese Lehre der Geschichte sollten wir leben.
Was befürchten Sie, wenn die AfD regiert?
Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Aber nehmen wir ein konkretes Beispiel: Dann bricht das Gesundheitssystem zusammen. Wer soll dann noch unsere Alten pflegen? Wer soll in den Krankenhäusern arbeiten? Die AfD lebt in einer Parallelwelt, in der sie glaubt, man könne einfach alle Ausländer abschieben, und alles bleibt, wie es ist. Das ist nicht nur unmoralisch, das ist realitätsfremd.
Sie haben die FDP erwähnt, weil diese einst Ihre politische Heimat war …
Ja, aber schon länger nicht mehr. Ich bedauere das sehr: Das Fehlen des Liberalismus in Deutschland ist ebenfalls ein Grund für das Erstarken der AfD.
Sind Sie seit Ihrer Beziehungskrise mit der FDP ein politisch Heimatloser?
Leider ja, das ist das eigentliche Drama: Es gibt keine führenden Politiker mit Verve und Ausstrahlung. Dabei benötigt die Demokratie charismatische Führungspersönlichkeiten – doch die sind nirgends in Sicht.