„Haus des Strukturwandels“
Steuerzahlerbund kritisiert Millionenprojekt in Eschweiler
Aktualisiert am 02.10.2026 – 06:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Acht Jahre nach dem Kauf beginnt Eschweiler mit dem Umbau eines alten Hauses. Die Kosten steigen auf 1,85 Millionen Euro – die Nutzung ändert sich.
Erst acht Jahre nach dem Kauf des Hauses in der Marktstraße 9 hat die Stadt Eschweiler mit dem Umbau angefangen und die Pläne dafür mehrfach verändert. 10 Jahre dauert es, bis dieses Haus genutzt wird. Insgesamt will die Stadt für das verschleppte Projekt 1,85 Mio. Euro ausgeben. Der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (BdSt NRW) kritisiert das Vorhaben in seinem neuen „Schwarzbuch“. Hierin werden Fälle gesammelt, in denen mit Steuergeld nicht sparsam und wirtschaftlich umgegangen wurde.
Eschweiler hatte das sogenannte „Haus des Strukturwandels“, das mehr als 100 Jahre alte Gebäude 2017 für 156.800 Euro inklusive Nebenkosten gekauft. Früher befanden sich dort eine Metzgerei, später ein Bekleidungsgeschäft sowie eine Wohnung. Nach Angaben der Stadt bewahrte der Kauf das Gebäude vor einem drohenden Abriss.
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Gegenüber dem BdSt bezifferte die Stadt im Januar 2026 die geschätzten Abrisskosten auf weit mehr als 200.000 Euro. Kosten für notwendige Stützmaßnahmen an Nachbargebäuden seien darin nicht enthalten gewesen. Die Stadt prüfte nach eigenen Angaben auch den Kauf eines Nachbarhauses. Dadurch sollte ein größeres Baufeld entstehen. Die Verhandlungen mit dessen Eigentümer seien jedoch gescheitert.
Umbau verzögert sich mehrfach
2022 brachte die Verwaltung das Projekt „Strukturwandelladen Eschweiler“ auf den Weg. Geplant war eine Ausstellung zum Strukturwandel mit Angeboten zur Bürgerbeteiligung. Nach der Sanierung sollte die Marktstraße 9 dauerhaft als „Haus des Strukturwandels“ dienen. Der zunächst an anderer Stelle eingerichtete „Wandel.Laden“ öffnete im Juni 2024. Der Umbau des städtischen Hauses verzögerte sich dagegen weiter.
Die Stadt stellte im April 2023 einen Bauantrag und änderte diesen im Juli 2024. Im August 2024 folgte die Genehmigung. Erste Rückbau- und Sicherungsarbeiten liefen bereits im Sommer 2023. Für den Förderantrag hatte die Stadt die Kosten zunächst auf rund 1,1 Millionen Euro geschätzt. Der Bund beteiligt sich über die Nationale Klimaschutzinitiative mit 29 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen mit 33 Prozent.
Nach Angaben der Stadt stiegen die Baukosten anschließend deutlich. Deshalb habe sie die Planung überarbeitet, um mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Das verzögerte das Projekt erneut.
Rat bewilligt 600.000 Euro zusätzlich
Im September 2025 begann dann der eigentliche Umbau. Zwei Monate später stimmte der Stadtrat weiteren 600.000 Euro zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt bereits auf Teile der ursprünglichen Planung verzichtet. Nach Angaben der Stadt lagen erst Ende 2025 konkretere Planungsgrundlagen und Kostenberechnungen vor. Durch die Einsparungen verringerte sich zugleich die verfügbare Fläche.
Noch Ende Juni 2026 gab es laut einer Antwort der Stadt an den BdSt kein beschlossenes Nutzungskonzept. Im September 2026 entschied der Stadtrat schließlich gegen den geplanten Strukturwandelladen. Stattdessen soll das Gebäude unter anderem von der Polizei genutzt werden. Der Bund der Steuerzahler kritisiert vor allem die lange Planungszeit und die gestiegenen Kosten. Aus Sicht des Verbands sei das Vorgehen nicht wirtschaftlich. Insgesamt will die Stadt nach Angaben des BdSt 1,85 Millionen Euro für das Projekt ausgeben.