Wirksamkeit im Check
Wem Beckenbodentraining bei Harninkontinenz hilft
22.07.2026 – 14:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer wegen Harninkontinenz Hilfe sucht, erhält meist auch den Tipp, den Beckenboden zu trainieren. Inwieweit das hilft, sollte eine neue Studie klären.
Beckenbodentraining ist eine der am häufigsten eingesetzten nicht medikamentösen Behandlungsmaßnahmen gegen ungewollten Harnverlust. Frühere Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit waren jedoch uneinheitlich. Deshalb hat ein Forschungsteam mehrere hochwertige Studien neu ausgewertet und dabei festgestellt, dass das Training vor allem Frauen mit Stressinkontinenz helfen kann: Es verringert den ungewollten Harnverlust messbar und verbessert die Lebensqualität.
Gut zu wissen
Harninkontinenz ist weitverbreitet. Zwei häufige Formen sind die Stress- und die Dranginkontinenz. Bei der Stressinkontinenz (auch Belastungsinkontinenz genannt) können etwa Lachen, Husten, Niesen oder körperliche Anstrengung zu ungewolltem Harnverlust führen – alles Aktivitäten, die den Druck im Bauchraum erhöhen. Bei der Dranginkontinenz, die mit einer überaktiven Blase einhergehen kann, kommt es hingegen durch plötzlichen, unkontrollierbaren Harndrang zum Harnverlust.
14 hochwertige Studien zusammengefasst
In die Auswertung flossen 14 hochwertige Studien aus den Jahren 2010 bis 2023 mit insgesamt 2.192 Frauen ein, die zwischen 18 und 80 Jahre alt waren und eine Harninkontinenz hatten. In allen Studien waren die Teilnehmerinnen nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt worden. Einige sollten Beckenbodentraining absolvieren, andere wiederum die Vergleichsgruppen bilden, die entweder keine Behandlung oder eine Aufklärung, ein Blasentraining oder andere nicht operative Therapien erhielten.
Um die Wirksamkeit des Beckenbodentrainings zu beurteilen, diente die Schwere der Harninkontinenz als wichtigstes Maß. Diese lässt sich unter anderem mit einem Fragebogen zu den Beschwerden oder mit dem Pad-Test erfassen. Beim Pad-Test wird eine Inkontinenzeinlage (Pad) gewogen. Anschließend trinkt die Teilnehmerin innerhalb von 15 Minuten einen halben Liter Wasser und trägt die Einlage eine Stunde lang, ohne die Blase zu entleeren. Danach wird die Einlage erneut gewogen, um die Gewichtszunahme und somit die Menge an ungewollt verlorenem Urin zu bestimmen.
Ergebnisse deutlich, aber Aussagekraft begrenzt
Laut der Analyse der zusammengefassten Studienergebnisse konnte das Beckenbodentraining die Harninkontinenz im Durchschnitt um 14 Prozent verringern. Zudem gaben die Teilnehmerinnen eine deutlich verbesserte Lebensqualität an.
Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch begrenzt, da sich die ausgewerteten Studien teilweise stark unterscheiden. So stellte das Forschungsteam fest, dass sowohl die Dauer als auch eine professionelle Überwachung des Beckenbodentrainings dessen Wirksamkeit deutlich beeinflussten.
Zudem hatte die Mehrzahl der Teilnehmerinnen eine Stressinkontinenz. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Formen der Harninkontinenz übertragen.
Ein Versuch lohnt sich dennoch
Die Analyse spricht dafür, dass Beckenbodentraining zumindest Frauen mit einer Stressinkontinenz helfen kann. Und diese ist immerhin die häufigste Form von Inkontinenz bei Frauen: Sie macht fast die Hälfte aller Fälle aus.










