Aber ich bin mir sicher: Er wird daraus lernen. Auch deshalb halte ich es für richtig, dass der englische Fußballverband wohl mit ihm weitermachen will. Klar ist auch: Bei einem so frühen, sang- und klanglosen Ausscheiden, wie es Bundestrainer Julian Nagelsmann mit der deutschen Mannschaft erlebt hat, wäre er jetzt schon ohne Job. Aber nein: Tuchel hat dort in seiner bisherigen Amtszeit etwas geschaffen, das Potenzial dieser Mannschaft ist deutlich erkennbar. Und nun steht auch noch die Heim-EM 2028 in England an. Diese Möglichkeit sollte und wird er bekommen. Es ist seine große Chance.
Das könnte am Ende den Unterschied im Finale ausmachen
Im Endspiel indes sehe ich nun leichte Vorteile beim amtierenden Europameister. Spaniens Leistung beim 2:0 im Halbfinale gegen Frankreich war nämlich ein Meisterwerk. Es ist den Spaniern gelungen, diese so hochkarätig besetzte Mannschaft zu dominieren und die hochgelobte Offensive um Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Bradley Barcola aus dem Spiel zu nehmen. Das war beeindruckend und gleichzeitig ihre bisher beste Leistung in einem ohnehin schon starken Turnier aus ihrer Sicht.
Hinzu kommt, dass sie auch noch einen Tag mehr zur Erholung und Regeneration haben – das kann auch ein Faktor sein. Denn Argentinien musste in jedem Spiel in der K.-o.-Runde sehr viel investieren.
Erinnern Sie sich? Da war das 3:2 nach Verlängerung gegen Kap Verde im Sechzehntelfinale, eine Runde darauf wurde Ägypten durch ein Tor in der Nachspielzeit ebenfalls mit 3:2 bezwungen. Im Viertelfinale gegen die Schweiz mussten sie dann wieder in die Verlängerung, um letztlich 3:1 zu gewinnen. Und jetzt noch dieser hart erkämpfte 2:1-Erfolg über England. Natürlich ist das eine unglaubliche Qualität. Aber: So beeindruckend diese Comeback-Siege sein mögen, sie kosten auch viel Kraft. Und das könnte am Ende den Unterschied machen.
Was haben Argentinien und Spanien, das der DFB-Elf fehlt?
Eine Bemerkung am Rande: Bei aller Kritik an den mitunter schlechten Schiedsrichterleistungen bei dieser WM gibt es doch auch positive Erkenntnisse. Die Countdowns und Zeitlimits, mit denen Zeitverzögerungen bei Einwürfen, Auswechslungen und Verletzungsunterbrechungen verhindert werden sollen, sind einfach sinnvoll und förderlich für den Spielfluss.
Spieler können nun nicht mehr eine gefühlte Ewigkeit beim Einwurf stehen, provozierend in Zeitlupe bei einer Auswechslung vom Platz schleichen oder minutenlang auf dem Spielfeld behandelt werden, ohne dass es Folgen hat. Und das ist genau richtig so. Ich begrüße es sehr, dass der DFB bereits die Übernahme dieser Änderungen für die kommende Bundesligasaison angekündigt hat.











