Nummer 1 im Ranking
Das ist die fahrradfreundlichste Stadt der Welt
03.06.2026 – 11:58 UhrLesedauer: 3 Min.
Breite Radwege, riesige Fahrradparkhäuser und weniger Raum für Autos: Utrecht zeigt, was die Verkehrspolitik verändern kann.
Utrecht gilt als die fahrradfreundlichste Stadt der Welt. Im Copenhagenize Index 2025, einem international beachteten Ranking zur Fahrradfreundlichkeit von Städten, belegt die niederländische Stadt Platz eins – vor Kopenhagen und Amsterdam. Der Index wird von der dänischen Beratungsfirma Copenhagenize erstellt und bewertet unter anderem Infrastruktur, Verkehrspolitik und den Anteil des Radverkehrs. Zwar handelt es sich nicht um eine offizielle Statistik, das Ranking gilt in Fachkreisen jedoch als wichtige Orientierung bei der Bewertung fahrradfreundlicher Städte.
Das macht den Charme Utrechts für Radfahrer aus
Täglich steigen in Utrecht rund 150.000 Menschen aufs Rad. Und das hat Gründe: Breite Radwege ziehen sich durch das Zentrum, an Kreuzungen haben Radfahrer oft Vorrang. Hinzu kommen Fahrradstraßen, Brücken und Tunnel, die ein dichtes Netz bilden. Selbst das größte Fahrradparkhaus der Welt steht hier: Am Hauptbahnhof finden 12.500 Fahrräder Platz.
Doch Utrecht wurde nicht über Nacht zur Fahrradstadt. Noch in den 1950er- und 1960er-Jahren verfolgte die Stadt ähnliche Ziele wie viele andere europäische Kommunen. Teile des historischen Zentrums wurden umgebaut, um mehr Raum für den wachsenden Autoverkehr zu schaffen. Erst in den 1970er-Jahren regte sich Widerstand. Bürger protestierten gegen den Verlust von Wohnraum und Lebensqualität. Gleichzeitig sorgten die hohe Zahl von Verkehrstoten und die Ölkrise für ein Umdenken.

Die Top 10 der weltweit fahrradfreundlichsten Städte
1. Utrecht (Niederlande)
2. Kopenhagen (Dänemark)
3. Gent (Belgien)
4. Amsterdam (Niederlande)
5. Paris (Frankreich)
6. Helsinki (Finnland)
7. Münster (Deutschland)
8. Antwerpen (Belgien)
9. Bordeaux (Frankreich)
10. Nantes (Frankreich)
Mobilitätsprogramme veränderten die Stadt
Den entscheidenden Schub erhielt die Entwicklung jedoch deutlich später. Nach der Kommunalwahl 2010 verabschiedete die Stadt mehrere Verkehrs- und Mobilitätsprogramme, die den Radverkehr gezielt fördern sollten. Dazu gehörten neue Radwege, zusätzliche Fahrradabstellanlagen und bessere Verbindungen zwischen Wohngebieten, Innenstadt und Region. Allein zwischen 2015 und 2020 investierte Utrecht nach Angaben des ADFC rund 186 Millionen Euro in die Radinfrastruktur.
Ein wichtiger Bestandteil der Strategie war die Umverteilung des vorhandenen Straßenraums. Fahrspuren für Autos wurden teilweise zurückgebaut oder in Radwege umgewandelt. Gleichzeitig verbesserte die Stadt die Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr. Vor allem rund um den Hauptbahnhof entstanden neue Abstellmöglichkeiten, um Pendler zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen – eben auch das Parkhaus.
Fast jede zweite Kurzstrecke mit dem Fahrrad
Nach Angaben des ADFC verfügte Utrecht bereits 2019 über mehr als 245 Kilometer geschützte Radwege, 90 Kilometer Radfahrstreifen und 18 Kilometer Fahrradstraßen. Rund 60 Prozent der Menschen nutzen das Fahrrad für Fahrten ins Stadtzentrum. Fast jede zweite Strecke unter 7,5 Kilometern wird mit dem Rad zurückgelegt.
Für den niederländischen Fahrradverband Fietsersbond sind laut „Tagesschau“ nicht nur große Bauprojekte, sondern auch zahlreiche Details entscheidend. Dazu zählen sichere Kreuzungen, fahrradfreundliche Ampelschaltungen oder Bordsteine, an denen sich keine Pedalen verhaken können. Vor allem aber habe die Stadt über viele Jahre konsequent an ihrer Strategie festgehalten.










