Auch was die Kosten angeht, hat sie aus den Jahren der Pflege ihres Vaters einiges mitgenommen: „Das Essen meines Vaters für den ganzen Monat wurde mit etwa 250 Euro berechnet, das Einzelzimmer kostete hingegen 500 Euro. Ich bin ehrlich, ich möchte im Alter nicht schlecht essen und dann noch darauf warten müssen, bis mein Mitbewohner sein Geschäft verrichtet hat, dazu auf 16 Quadratmetern mit einem fremden Menschen zusammenleben, nur weil ich keine 500 Euro für ein Einzelzimmer habe.“
„Es kann nicht sein, dass vieles einfach auf Familien abgewälzt wird“
Karrenbauer nennt konkrete Maßnahmen, die sie sich von der Politik wünscht: bessere Bezahlung für einen Beruf, der emotional nicht einfach an der Tür abgestreift werden könne, weniger Bürokratie und eine größere Kostenübernahme bei Pflegemitteln. „Zeit! Ein so wichtiges Thema“, betont Karrenbauer. „Und ganz sicher mehr Unterstützung für diejenigen, die bereit sind, ihre Lieben zu Hause zu pflegen.“
Für einen der größten Hebel sieht sie einen Vorschlag aus eigener Erfahrung: das Soziale Jahr für alle Schulabgänger. Sie selbst habe in Diakonien gearbeitet und für die Arbeiterwohlfahrt geputzt, um ihr Studium zu finanzieren – das habe ihr einen prägenden Einblick gegeben. „Warum nicht einfach das soziale Jahr aufs Bafög anrechnen und damit später Studenten entlasten? Echte Anreize müssen geschaffen werden, damit sich unser Sozialsystem wieder erholen kann“, sagt Karrenbauer. Und sie fügt hinzu, was für sie das Grundproblem ist: „Es kann nicht sein, dass vieles einfach auf Familien und Angehörige abgewälzt wird.“
Auch Gilzer hat klare Vorstellungen, was das System ihrer Meinung nach grundlegend verändern würde. „Die beste Reform wäre es natürlich, wenn alle gleichermaßen in das System einzahlen würden“, stellt Gilzer klar – also auch Beamte und Privatversicherte. Ein weiteres Problem sieht sie in der Trägerstruktur: „Leider gibt es auch zu wenig staatliche Einrichtungen. Die meisten Pflegeheime sind in privater Hand, und die sind nur auf Profit aus – und das geht natürlich auf Kosten der Bewohner und auch des Pflegepersonals.“
„Als Single wird man auch bestraft“
Aktuell beträgt der Beitragszuschlag für Kinderlose in der gesetzlichen Pflegeversicherung 0,6 Prozent. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, ihn auf 0,7 Prozent anzuheben. Für Karrenbauer, die als kinderlose Singlefrau lebt, ist das nicht nachvollziehbar. „Als ich das vor ein paar Tagen gelesen habe, war ich wirklich empört“, berichtet sie. „Ich zahle schon sehr viel Geld in die Kassen ein, wenn ich zwischendurch gut verdiene, und leiste meinen Beitrag. Oft denke ich, überdurchschnittlich.“ Das Gefühl, als Single strukturell benachteiligt zu werden, begleitet sie schon länger – Steuerklasse 1 und 6, höhere Wohnkosten, weil alle Hauskosten auf einen Quadratmeterpreis und nicht nach Verbrauch umgerechnet würden. „Die Liste würde jetzt wirklich lang werden, aber ja, manchmal habe ich das Gefühl, als Single wird man auch bestraft. Das sollte so nicht sein.“










