In den ersten Julitagen des Jahres 1776 herrschte in Philadelphia eine angespannte Atmosphäre. Am 4. Juli verabschiedete der Kontinentalkongress im Pennsylvania State House die Unabhängigkeitserklärung – und nun mussten diese Worte Wirklichkeit werden. Die Revolution beruhte auf Papier, und die Druckerpressen arbeiteten rund um die Uhr. Der Drucker John Henry Miller wurde in Hessen als Johann Henrich Müller geboren: Er war der erste, der die Nachricht am 5. Juli 1776 in seiner deutschsprachigen Zeitung veröffentlichte. Der vollständige Text der Unabhängigkeitserklärung erschien am 9. Juli auf Deutsch. Zu dieser Zeit lebten in den britischen Kolonien rund 2,5 Millionen Menschen, etwa zehn Prozent davon waren deutscher Herkunft. Pennsylvania war neben Gemeinden in New York, New Jersey, Delaware, Maryland und Virginia ein wichtiger Knotenpunkt der deutschen Einwanderung.
Die Revolution sollte sich ausbreiten – auch an Orte, an denen Englisch noch eine Fremdsprache war. Auf diese Weise gelangten die großen Ideale der Aufklärung von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück in die Häuser, Scheunen und Gemeinden deutscher Einwanderer, wo sie wirklich verstanden wurden. Die Geschichte, dass Deutsch fast zur Amtssprache der Vereinigten Staaten geworden wäre, ist ein Mythos. Richtig ist jedoch, dass darüber diskutiert wurde, ob Gesetze auch auf Deutsch gedruckt werden sollten – ein Hinweis darauf, wie groß und einflussreich die deutschsprachige Bevölkerung damals war.










