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100 Prozent Strom aus Wind und Solar: Plötzlich geht es
18.05.2026 – 12:35 UhrLesedauer: 4 Min.

Strom, der zu 100 Prozent aus Wind und Solar kommt – das galt bisher als hehrer Wunsch, mehr aber nicht. Doch die Technologien der Energiewende entwickeln sich rasant. Geht es etwa doch?
Was macht man eigentlich, wenn keine Sonne scheint und auch der Wind nicht weht? Das war in der Energiewende bisher immer die Gretchenfrage; die bittere Pille, die selbst die überzeugtesten Energiewende-Fans schlucken mussten. Fehlen Sonne und Wind, können die Erneuerbaren keinen Strom erzeugen. So ist es nun mal.
Oder doch nicht? In der Energiewelt werden immer mehr Zweifel an diesem Grundsatz laut. Denn neben Windkraftanlagen und Solarparks hat sich eine dritte, entscheidende Technologie entwickelt, die die Lösung sein könnte.
Speicher revolutionieren die Energiewende
Speichertechnologien haben in den vergangenen fünf Jahren eine Revolution erlebt. Es ist mittlerweile nicht mehr undenkbar, dass Großspeicherprojekte überschüssigen Strom aus Wind und Solar in Mengen zwischenspeichern könnten, um ein Stromsystem auch nachts, im Winter oder an wind- und sonnenarmen Tagen mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Dazu kommen Langzeitspeichertechnologien, die zwar jetzt noch nicht ausgereift sind, es aber nach Ansicht einiger Experten sehr bald sein könnten.
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Diese Entwicklungen fasst der aktuelle Report der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) nun zusammen. „Heute können die Erneuerbaren rund um die Uhr Strom liefern“, schreibt Francesco La Camera, Generaldirektor der Organisation, die 2009 als Parallelorganisation zur Internationalen Energieagentur IEA gegründet wurde. „Die ökonomischen Rahmenbedingungen des gesamten Energiesystems haben sich verschoben: Die Batterierevolution hat die Kosten gesenkt und zugleich die Fortschritte bei der Energiespeicherung beschleunigt.“
In manchen Regionen der Welt ist der Traum vom rund um die Uhr verfügbaren Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen bereits in der Umsetzung. In Abu Dhabi wird gerade ein Solarfeld errichtet, das 2027 ans Netz gehen und in Kombination mit einem Speicherpark eine kontinuierliche Leistung von 1 Gigawatt zur Verfügung stellen soll. Das entspricht der Leistung eines großen Atomkraftwerks.
Das Solarkraftwerk hat laut dem Irena-Report auch noch einen anderen Vorteil: Es dürfte den Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen erzeugen können. Irena geht von einem Gesamtstrompreis von 70 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh) aus; ein typisches Gaskraftwerk erzeugt Strom für zwischen 48 und 109 Dollar/MWh. Solche Preise kann die Energieagentur mittlerweile weltweit beobachten.
Auch in Ländern mit viel Wind wird es bald soweit sein
Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen Regionen der Welt: In Australien soll 2028 ein Energiepark ans Netz gehen, der mit einer Kombination aus Wind-, Solar- und Speichertechnologien ein geschlossenes Stromsystem aus 100 Prozent erneuerbaren Energien bilden und Versorgung rund um die Uhr gewährleisten soll. Er entsteht in der westaustralischen Region Pilbara und wird primär errichtet, um die dort ansässigen Eisenerzminen zu versorgen.










