Strafe fürs Schwarzfahren
Berliner Musiker geht freiwillig in Haft – das ist der Grund
13.05.2026 – 16:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Berliner Musiker und Schauspieler will mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Strafen beim Schwarzfahren aufmerksam machen. Was genau dahintersteckt.
Der Berliner Musiker und Schauspieler Ritter Lean (bürgerlich: Adrian Julius Tillmann) will freiwillig in Haft gehen. Das kündigte er auf seinem Instagramaccount am Dienstag an. Hintergrund ist die Kritik an den Strafen für das Fahren ohne Ticket – denn dafür können Menschen auch inhaftiert werden.
- Wegen Schwarzfahren in Haft: Kampagne kauft Menschen frei
Seit Längerem setzen sich Initiativen wie der „Freiheitsfonds“ für Entkriminalisierung des Fahrens ohne Ticket ein. Grund für die Inhaftierungen ist der Paragraf 265a im Strafgesetzbuch. Dieser besagt, dass Menschen dann ins Gefängnis müssen, wenn sie mehrfach schwarzfahren und die Geldstrafen nicht bezahlen können.
Ritter Lean: Zeigen, „wie dumm dieses Gesetz ist“
„Ich bin in den letzten Jahren ein paar Mal ohne Ticket erwischt worden“, sagt Ritter Lean in dem Video weiter. Eigentlich könne er sich es leisten, das Geld dafür zu zahlen, er sei dafür privilegiert genug. Doch er sieht die Haftzeit als „Selbstversuch“, ob er es schaffe, sechs Tage lang nicht am Handy zu sein und ein Buch zu lesen.
Außerdem wolle er darauf aufmerksam machen, wie „dumm dieses Gesetz ist“, sagt er weiter. Darunter würden Menschen leiden, die sich kein Ticket leisten können und die Strafe sowie Mahnungen ebenfalls nicht. Er schlägt in dem Video vor, das 9-Euro-Ticket wieder einzuführen und kritisiert den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), stattdessen einen Tankrabatt zu geben.
Freiheitsfonds: Wollen „richtig Welle machen“
Die Kampagne „Freiheitsfonds“, die regelmäßig Menschen aus Gefängnissen freikauft, sei nicht in die Aktion involviert worden. Leonard Ihßen, Sprecher der Kampagne, sagte zur Regionalredaktion von t-online in Berlin: „Die Aktion war nicht zusammen eingefädelt, wir sind aber jetzt mit Ritter Lean im Kontakt.“ Die Initiative plane gemeinsam mit anderen Artists, nun „richtig Welle zu machen“, so Ihßen weiter.
Arne Semsrott, Gründer des Freiheitsfonds, bezeichnet das System in einer früheren Mitteilung als „kaputt“ und die strafrechtliche Verfolgung als „absurd“. 13 Städte haben bereits beschlossen, auf solche Strafanträge zu verzichten, darunter Köln, Dresden und Halle. In Berlin ist das bisher nicht der Fall.
Neben seiner Musikkarriere arbeitet Ritter Lean auch als Schauspieler. Er war bereits in Folgen des „Tatort“, „Alarm für Cobra 11“ oder der Netflix-Produktion „Biohackers“ zu sehen.










