Nach Auffassung eines Gerichts verstoßen die 90-Gramm-Tafeln von Milka gegen das Wettbewerbsrecht. Richtig so. Damit werden Verlässlichkeit, Transparenz und die Marktwirtschaft gestärkt.
100 Gramm? 90 Gramm? Oder vielleicht 87,43 Gramm? Geht es nach dem Lebensmittelriesen Mondelez, sollte über das Gewicht einer Tafel Schokolade am besten wohl der Hersteller allein entscheiden dürfen – idealerweise, ohne den Kunden darüber groß zu informieren.
Es ist ja auch zu verlockend für die Produzenten: Den Preis erhöhen, ohne sichtbar den Preis zu erhöhen; die Profite stabil halten, sie vielleicht sogar steigern, ohne dass dem Kunden am Supermarktregal sofort auffällt, dass er mehr bezahlen muss. Schrumpfflation nennt sich das, oder einfach: Mogelpackung.
Gut, dass damit jetzt Schluss ist. Das heutige „Milka-Urteil“ des Landgerichts Bremen ist wegweisend, und es ist das genau richtige Signal zur richtigen Zeit. Eine Zeit, die – vor allem im Internet – immer stärker geprägt ist von Fakes und Deepfakes und der damit verbundenen Frage: Worauf kann ich mich im Alltag noch verlassen?
Gericht stärkt Transparenz für Verbraucher
Diese Verlässlichkeit, diese Transparenz wird durch das Urteil gestärkt. Denn auch wenn Milka die 90-Gramm-Tafel beibehalten sollte, andere Hersteller dem Beispiel möglicherweise noch folgen könnten – künftig müssen sie eine solche Verkleinerung wohl klarer auf der Packung kennzeichnen. Die Grammzahl vorn winzig und auf der Rückseite im Kleingedruckten verstecken, das geht jetzt so nicht mehr. So wie es Mondelez auch in anderen Ländern macht, sollte der Konzern deshalb auch in Deutschland deutlicher auf die Verpackung drucken, wie viel Schokolade denn nun drinsteckt.

Das Gericht stärkt damit einerseits, ganz konkret, die Rechte der Verbraucher. Andererseits, wenn man einmal etwas herauszoomt, beseitigt das Urteil auch eine veritable Marktverzerrung, die – bei allem Verständnis für die Unternehmen – keinem halbwegs marktliberal tickenden Menschen je hat gefallen können.
Es geht um Marktwirtschaft auf Augenhöhe
Denn Angebot und Nachfrage, das lernt jeder Volkswirtschaftsstudent im ersten Semester, regeln sich eben über den Preis. Im Alltag: über den für alle sichtbaren Preis. Nicht über den Pro-100-Gramm-Preis, der ganz klein auf dem Preisschildchen am Regal steht.
Wer, wie es Mondelez bei Milka getan hat, den Tafel-Preis scheinbar stabil hält, derweil aber die Menge verkleinert, ohne das entsprechend auffällig kenntlich zu machen, hintertreibt dieses so wichtige Preissignal. Der täuscht die Kunden und nutzt ganz bewusst aus, dass sie seit jeher gelernt haben, dass eine Tafel eben immer 100 Gramm wiegt und dass die meisten Menschen das auch gar nicht hinterfragen. Denn: So mündig und schlau der einzelne Verbraucher auch sein mag, einen Unterschied von einem Millimeter in der Dicke kann niemand sogleich erkennen.
Gut wäre, wenn die Mogelpackung-Schrumpfflation jetzt nicht nur im Schokoladenregal aufhört. Auch andere Produkte sind auf diese Weise zuletzt immer teurer geworden. Die Hersteller sollten ehrlich sein und vor allem: fair. Wie viel steckt drin, was kostet es? Dann können die Kunden sich wiederum fragen: Bin ich bereit, diesen Preis für diese Menge zu zahlen, oder nicht? Nur so funktioniert Marktwirtschaft auf Augenhöhe.









