Konservative Katholiken kritisieren, dass Segensfeiern weit über kurze Segenssprüche hinausgingen, wie sie Papst Franziskus vorgeschwebt hätten. Kirchliche Segensfeiern mit Bibeltexten und Orgelmusik bewegten sich in die Richtung von kirchlichen Trauungen, die allein Mann und Frau vorbehalten seien, so die Kritik. Segensfeiern gibt es allerdings nicht nur in der katholischen Kirche in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in Belgien. Obwohl sich die Feiern dort nicht von denen in Deutschland unterscheiden, hatten die belgischen Bischöfe viel weniger Schwierigkeiten mit dem Vatikan.
Konservative deutsche Bischöfe haben die Segensfeiern für Homosexuelle in ihren Bistümern nie erlaubt. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki reagierte nun erfreut auf die Klarstellung des Papstes. Er nehme die Äußerungen des Heiligen Vaters „mit Dankbarkeit zur Kenntnis“, teilte er mit. Gleichzeitig betonte er, dass es „für uns im Erzbistum Köln selbstverständlich ist, alle Menschen zu segnen und ihnen die Nähe Gottes zuzusprechen“.
Papst Leo hatte während des Fluges gesagt, der Vatikan sei mit förmlichen Segnungen von homosexuellen Paaren „nicht einverstanden über das hinaus, was von Papst Franziskus erlaubt wurde, als er gesagt hat, dass alle den Segen erhalten können“. Dann fügte er hinzu: „Franziskus“ berühmt-berüchtigte Formulierung „tutti, tutti, tutti“ („alle, alle, alle“) ist Ausdruck der Überzeugung der katholischen Kirche, dass alle willkommen sind und eingeladen, Jesus zu folgen.“
Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der dpa, Papst Leo wisse, dass man beim Thema Homosexualität keinen weltweiten Konsens herstellen und deshalb als amtierender Papst nur verlieren könne. „Er möchte Ruhe an dieser Front und keine aus seiner Sicht kritikwürdigen Alleingänge wie eine Handreichung, die ihn wieder unter Druck der konservativen Kreise, vor allem aus Afrika, setzen könnten.“ In der Kirche gelte der Leitsatz: „Sex doesn“t sell“ (Sex verkauft sich nicht).
Was Rom vorschwebe, sei ein „Segen im Vorbeigehen, den keiner merkt und der nicht den Eindruck erweckt, als wäre er ein Segen“. Das sei „völlig abgedreht“, helfe keinem und stoße gleichgeschlechtlichen Paaren vor den Kopf, kritisierte Schüller. Das Problem mit den Deutschen sei allerdings, dass sie aus Sicht des Vatikans immer alles schriftlich fixieren und in Regeln gießen wollten. „Wir Deutsche stehen also immer unter Generalverdacht, vorbei an Rom auch normative Fakten zu setzen.“











