Abhängigkeit von Medikamenten
Schlafmittelsucht: Ältere trifft es besonders
20.04.2026 – 13:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Medikamente sollen Leid lindern, können bei falscher Einnahme jedoch abhängig machen. Vor allem bei Senioren sind die Folgen ernst.
Zwischen 1,5 und 1,9 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Medikamenten. Das geht aus dem neuen „Jahrbuch Sucht“ hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) nun veröffentlicht hat. Konkret geht es um Medikamente, die im Gehirn zeitnah eine als positiv empfundene psychische Wirkung auslösen. Dies trifft auf circa vier bis fünf Prozent der häufig verordneten Arzneimittel zu. Wie viele Menschen genau von Medikamenten abhängig sind, kann laut DHS jedoch nur geschätzt werden, da eine Abhängigkeit häufig weder vom Arzt noch vom Patienten erkannt wird.
Als Hauptursache für Medikamentenabhängigkeit nennt die DHS explizit Benzodiazepine sowie die mit ihnen verwandten Z-Substanzen. Am häufigsten wurden im Jahr 2023 aus dieser Gruppe die folgenden Medikamente verschrieben:
Zwar werden diese von den gesetzlichen Krankenkassen immer seltener bezahlt. Es wird aber befürchtet, dass ein wachsender Anteil der Medikamente auf Privatrezept verordnet wird. Vor allem ältere Menschen bekommen die beruhigenden und schlaffördernden Arzneien verschrieben, kritisiert die DHS. Denn: „Ältere Personen sind (…) in besonderer Weise durch Risiken bedroht, wie Verlangsamung der kognitiven Funktionen, Erhöhung des Demenz- und Sturzrisikos sowie Verminderung von Sport und Bewegung.“
Immer häufiger werden zudem Opioide verschrieben. Diese haben das Potenzial, bei Krebsschmerzen und bei starken vorübergehenden Schmerzen, beispielsweise nach einer Operation, Leid erheblich zu lindern. Werden Sie aber längerfristig bei nicht tumorbedingten Schmerzen eingenommen, „verlieren sie ihre Wirkung, sodass die Dosis ständig erhöht werden muss“, warnt die DHS. Gleichzeitig steige bei den Betroffenen sogar die Schmerzempfindlichkeit.
Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial sollten darum nur mit einem klaren Plan verordnet werden, fordern die Suchtforscher. Ärzte müssten vor dem Verschreiben die Suchtgeschichte ihrer Patienten abklären, über Risiken aufklären, das Ziel der Behandlung genau festlegen und die Therapie von Anfang an nur kurz ansetzen. Eine Einnahme der Medikamente „bei Bedarf“ sei indes riskant. Dies könne dazu verleiten, auf Gefühlslagen sofort mit der Einnahme eines Medikaments zu reagieren. Dies könne ein suchtähnliches Muster fördern, so die DHS.
Neben Medikamenten haben die Suchtforscher auch die Verbreitung weiterer Suchtmittel in der Bevölkerung untersucht, unter anderem von Tabak und Alkohol. Vor allem der hohe Pro-Kopf-Alkoholkonsum hierzulande bereitet Sorgen. So trinkt der durchschnittliche Deutsche 10,6 Liter reinen Alkohol im Jahr. Das ist mehr als in vielen Ländern Europas.










