WM 2026 – Teamsteckbrief Türkei
„Die Angst vor der Türkei hat begonnen“
15.04.2026 – 16:56 UhrLesedauer: 7 Min.

Die Türkei ist zurück auf der WM-Bühne. Nach 24 Jahren als Zuschauer reist sie aber nicht als Außenseiter an. Fans und Medien in der Türkei sind vollkommen aus dem Häuschen.
Die Boulevard-Zeitung „Hürriyet“, das Sprachrohr der Straße am Bosporus, spürt schon das große Zittern bei allen anderen 47 WM-Teilnehmern: „Die Angst vor der Türkei hat begonnen“, jubelte das Blatt, nachdem die Qualifikation über die Playoffs unter Dach und Fach war.
Die Türkei fährt also mit Rückenwind zur WM 2026. Der Weg dorthin war kein Spaziergang, aber nun, da er geschafft ist, fühlen sich Team und Fans stärker denn je. Im Playoff-Halbfinale rang die Mannschaft Rumänien 1:0 nieder, im Finale gewann sie im Kosovo erneut 1:0. Genau diese Spiele, bei denen es um alles geht, hatte die Türkei in der jüngeren Vergangenheit selten gewonnen. Jetzt soll gerade das anders geworden sein, und gerade deshalb sehen manche Experten die Türken nicht als Außenseiter bei der WM, sondern in der Gruppe D sogar als Mitfavorit vor den USA.
Die Fallhöhe aber ist da. Zwar hat das Team absolute Topspieler in seinen Reihen, aber die Kadertiefe ist überschaubar. Und so enthusiastisch der türkische Fußball auch immer wieder in einen neuen Hoffnungszyklus startete, so niederschmetternd waren oft die Ergebnisse. Ein Vorrundenaus wäre erneut eine bittere Enttäuschung.
Der direkte Weg zur WM blieb der Türkei verwehrt, also musste sie durch die europäischen Playoffs. Dort folgte zunächst das Halbfinale gegen Rumänien in Istanbul. Ferdi Kadıoğlu erzielte beim 1:0 den einzigen Treffer, vorbereitet durch einen Traumpass von Superstar Arda Güler. Das Spiel zeigte bereits, wie Trainer Vincenzo Montellas Mannschaft derzeit funktioniert: Kontrolle kommt vor Hurra-Fußball. Der türkische Fußball wirkt erwachsen.
Im Finale im Kosovo ging es erneut knapp zu. Die Türkei bestätigte den 1:0-Auswärtssieg und damit die erste WM-Teilnahme seit 2002. Der türkische Fußballverband rückte vor allem die emotionale Dimension in den Mittelpunkt: Nach 24 Jahren ist die Türkei wieder auf der größten Bühne des Fußballs. Zwei Playoff-Siege mit demselben Ergebnis erzählen dabei auch sportlich etwas über diesen Kader. Er verteidigt konzentrierter als viele frühere türkische Jahrgänge und hat im Ballbesitz mehr Ruhe.
Die Türkei spielt in der Gruppe D gegen Australien, Paraguay und die USA.
Der Reisestress hält sich für die Türkei in Grenzen. Vancouver, Santa Clara und Inglewood liegen alle im Westen Nordamerikas; innerhalb der Gruppe gibt es also keinen Wechsel der Zeitzone zwischen den Spielorten. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Teams, die zwischen Ost- und Westküste pendeln müssen. Für die vielen Türken in Europa sind die Anstoßzeiten allerdings unangenehm: zweimal um 6 Uhr, einmal um 4 Uhr morgens.










