Studie mit älteren Menschen
Einsamkeit beschleunigt Gedächtnisabbau offenbar nicht
14.04.2026 – 11:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Einsamkeit gilt als Risikofaktor für Demenz. Eine große Langzeitstudie zeigt jedoch: Das Gedächtnis baut bei Menschen, die sich allein fühlen, nicht schneller ab.
Regelmäßiger Austausch mit anderen ist wichtig, um im Alter den Geist fit zu halten – das ist unstrittig. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Einsamkeit mit einem höheren Demenzrisiko einhergeht und dass soziale Eingebundenheit einen wirksamen Schutzfaktor vor einem vorzeitigen Abbau der Geisteskräfte darstellt.
Eine neue Studie zeichnet nun allerdings ein etwas differenzierteres Bild: Ältere Menschen, die sich einsam fühlen, schneiden bei Gedächtnistests zwar zunächst schlechter ab. Ihr Erinnerungsvermögen verschlechtert sich im Laufe der Jahre aber nicht schneller als das von Gleichaltrigen mit mehr sozialen Kontakten. Einsamkeit scheint also eher mit einem niedrigeren Ausgangsniveau der Gedächtnisleistung zusammenzuhängen – nicht indes mit einem beschleunigten Gedächtnisabbau.
Langzeitstudie mit 10.000 Teilnehmern
Das Team nutzte Daten aus einer großen europäischen Langzeituntersuchung, in der mehr als 160.000 Menschen über 50 Jahre regelmäßig zu ihrer Gesundheit und ihrem Alltag befragt werden. Für die Analyse konzentrierten sich die Forscher auf rund 10.000 Teilnehmer ab 65 Jahren. Diese unterzogen sie zwischen 2012 und 2019 mehrfach Gedächtnistests, zudem fragten sie sie danach, wie allein sie sich fühlten.
In den Tests ging es darum, Wörter aus einer Liste im Kopf zu behalten. Konkret bekamen die Testpersonen zehn Wörter zu hören, von denen sie danach möglichst viele wiederholen sollten. Nach fünf Minuten mussten sie sich erneut an die Wörter erinnern. So konnten die Forscher sowohl das unmittelbare als auch das verzögerte Erinnern messen.
Wie einsam sich die Probanden fühlten, ermittelten die Wissenschaftler mit drei Fragen – etwa ob den Befragten Gesellschaft fehlte, ob sie sich ausgeschlossen fühlten oder ob sie sich von anderen isoliert fühlten. Aus den Antworten bildeten sie eine Punktzahl und teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein: niedrige, mittlere oder hohe Einsamkeit.
Anschließend analysierte das Team statistisch, wie sich die Gedächtnisleistung der Teilnehmenden im Laufe der Jahre entwickelte und welche Rolle Einsamkeit dabei spielte.
Das Ergebnis: Menschen, die sich besonders einsam fühlten, schnitten zu Beginn der Studie bei den Gedächtnistests schlechter ab. Ihr Erinnerungsvermögen verschlechterte sich im Laufe der Jahre jedoch nicht schneller als bei Teilnehmern mit mehr sozialen Kontakten.
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Andere Faktoren haben womöglich größeren Einfluss
Die Forscher untersuchten nicht nur den Einfluss von Einsamkeit, sondern berücksichtigten auch weitere Faktoren, die das Gedächtnis beeinflussen könnten. Dazu gehörten etwa Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Depressionen, körperliche Aktivität sowie Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Dabei stellte sich heraus: Abgesehen vom Alter, für das sich wenig überraschend ein starker Zusammenhang mit der Gedächtnisleistung zeigte, spielte auch Diabetes eine große Rolle. Teilnehmer, die daran erkrankt waren, schnitten in den Gedächtnistests im Durchschnitt schlechter ab als Testpersonen ohne Diabetes. Ihr Gedächtnis ließ im Laufe der Jahre zudem stärker nach. Daraus lässt sich schließen, dass Einsamkeit offenkundig nur ein Teil eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Einflüsse auf das Gedächtnis im Alter ist.











