Studie enthüllt
Warum das Leben in dieser Region vor Diabetes schützen kann
07.04.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Bei einem Aufenthalt im Hochgebirge bessern sich bei Menschen mit Diabetes die Blutzuckerwerte. Eine Studie zeigt nun, warum das so ist.
Dass Menschen, die in großen Höhen leben, seltener an Diabetes erkranken, war bereits bekannt. Doch warum das so ist, war lange unklar. Eine in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ erschienene Studie zeigt nun, dass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) dabei eine überraschend wichtige Rolle spielen. Bei einem Sauerstoffmangel, wie er bei einem Aufenthalt im Hochgebirge vorkommt, nehmen sie deutlich mehr Glukose aus dem Blut auf: Die Blutzellen wirken dadurch wie ein Schwamm, der Zucker aufsaugt und so den Blutzuckerspiegel sinken lässt.
Für den senkenden Effekt gibt es dabei gleich zwei Ursachen: Der Körper bildet bei Sauerstoffmangel mehr rote Blutkörperchen, um den Sauerstofftransport zu verbessern. Gleichzeitig nimmt jedes rote Blutkörperchen mehr Zucker auf als sonst.
Bislang galten Erythrozyten vor allem als simple Sauerstofftransporter. Doch den Studienergebnissen zufolge sind sie aktiv am Stoffwechsel beteiligt, obwohl ihnen Zellkern und Mitochondrien fehlen. Unter Sauerstoffmangel bilden sie mehr Glukosetransporter (GLUT1) aus, sodass mehr Zucker ins Zellinnere gelangt.
Die aufgenommene Glukose wird in den roten Blutkörperchen weiterverarbeitet. Dabei entsteht unter anderem ein Molekül namens 2,3-DPG (2,3-Bisphosphoglycerat), welches einen klaren Vorteil bei Höhenluft bietet. Denn es bindet an Hämoglobin, den Blutfarbstoff in roten Blutkörperchen, und hilft so, den Sauerstoff leichter an das Gewebe abzugeben. Der Körper löst damit zwei Probleme gleichzeitig: Die Sauerstoffversorgung bessert sich und die Blutzuckerwerte sinken.
In Tierversuchen ließ sich über diesen Mechanismus ein hoher Blutzucker deutlich senken. Ein experimentelles Medikament namens „HypoxyStat“ ahmte hierbei den Effekt von Sauerstoffmangel nach und zeigte sogar eine bessere Wirkung als übliche Diabetesmittel. Allerdings kann ein künstlich erzeugter Sauerstoffmangel auch Risiken bergen. Um herauszufinden, ob solche Ansätze auch beim Menschen Behandlungschancen bieten, sind daher weitere Studien nötig.










