Solis8 war in erster Linie eine Machbarkeitsstudie. Der Fokus lag weniger auf wissenschaftlichen Ergebnissen als vielmehr darauf, Rückmeldungen der Teilnehmenden zu erhalten: zu den Abläufen, zur Struktur der Tage, zur Gestaltung der Anlage und zur Organisation insgesamt. Diese Informationen nutzen wir jetzt für die Vorbereitung der 100-Tage-Studie Solis100. Solche Analogstudien führen wir am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt regelmäßig durch – von Bettruhestudien mit stärker medizinischem Fokus bis hin zu Isolationsstudien wie Solis8 und Solis100, die besonders psychologische Belastungen in den Blick nehmen.
Einige Teilnehmende von Solis 8 berichteten, dass sie bereits nach zwei Tagen kaum noch über die Außenwelt nachgedacht haben. Ist das ein erwartbares Phänomen?
Was aus vielen anderen Untersuchungen bekannt ist – etwa aus Antarktisstudien, bei denen Menschen über lange Zeit stark isoliert sind –, ist ein ähnlicher Effekt: Die wahrgenommene Welt wird kleiner. Dieses Phänomen wird auch in anderen Studien immer wieder beschrieben.
Das ist im Grunde ein positiver Effekt. Für uns und auch aus psychologischer Sicht kann man das als eine Form des Coping-Mechanismus verstehen. Wenn man sich ständig mit dem beschäftigt, was draußen passiert, wird es deutlich schwieriger, eine solche Situation durchzuhalten. Stattdessen hilft es, die Realität der Situation anzunehmen und sich bewusst zu machen, dass man sich auf die Studie eingelassen hat und das Leben in den kommenden Tagen in Isolation stattfindet. Diese innere Haltung unterstützt dabei, die Herausforderung anzunehmen und konsequent durchzuziehen.
Was lässt sich aus solchen Studien für Extremsituationen auf der Erde lernen, etwa für Menschen in Isolation oder in Krisen nach Katastrophen?
Wir haben alle während der Corona-Pandemie zumindest ansatzweise erfahren, was Isolation bedeuten kann. Allerdings handelt es sich bei Isolationsstudien um eine sehr spezifische Umgebung. Selbst während der Pandemie hatte man in der Regel Zugang zum Internet oder die Möglichkeit, zu telefonieren. Deshalb ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen abzuleiten. Vielmehr können wir aus jeder Studie einzelne Erkenntnisse gewinnen und daraus Hypothesen entwickeln. Inwieweit diese Ergebnisse auf die allgemeine Bevölkerung übertragbar sind, muss dann geprüft werden.








