Veröffentlicht am
Die EU hat einer umfassenden Zollreform zugestimmt, um das wachsende Handelsvolumen zu bewältigen und die Anwendung ihrer Standards zu rationalisieren.
Die am Donnerstagabend erzielte Einigung führt neue Instrumente ein, um die Erhebung von Zöllen zu verbessern und die Kontrollen nicht konformer oder unsicherer Waren zu verstärken, ohne Behörden und Händler übermäßig zu belasten.
„Die heutige Vereinbarung stellt die größte Reform seit der Gründung der Zollunion im Jahr 1968 dar“, sagte der zyprische Finanzminister Makis Keravnos in einer Erklärung nach der Verabschiedung der Reform. „Dieser moderne Werkzeugkasten wird den Handel erleichtern und die ordnungsgemäße Erhebung von Zöllen auf vereinfachte Weise und mit der erforderlichen Rechtssicherheit gewährleisten“, fügte der Minister hinzu.
Zollverwaltung und Handel haben erneut an Dringlichkeit gewonnen, nachdem das Handelsvolumen in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Demnach wurden im Jahr 2024 etwa 4,6 Milliarden Euro an geringwertigen Sendungen unter 150 Euro in die EU importiert, was einem Durchschnitt von 12 Millionen Paketen pro Tag entspricht Daten der Europäischen Kommission. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2023 und den 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2022.
Darüber hinaus ist diese Reform aufgrund der Unsicherheiten über US-Zölle in Verbindung mit neuen EU-Handelsabkommen wie denen mit MERCOSUR und Australien besonders zeitgemäß.
EU-Zolldatendrehscheibe
Die neuen Vorschriften sehen die Schaffung eines EU-Zolldaten-Hubs vor, einer Online-Plattform, die die Überwachung der Handelsströme erleichtern soll, ohne deren reibungslosen Ablauf zu beeinträchtigen.
Unternehmen, die aus der EU importieren und exportieren, müssen Zollinformationen nur über dieses einzige Portal einreichen.
Der Hub, der ab Juli 2028 für den E-Commerce betriebsbereit sein wird, wird von einer neuen europäischen Zollbehörde mit Sitz in Lille, Frankreich, verwaltet.
Die Behörde wird den EU-Zoll überwachen, indem sie die nationalen Ämter koordiniert und sie beim Risikomanagement unterstützt. Insbesondere wird die Behörde die Import- und Exportdaten analysieren, um Ladungen zu kennzeichnen, die das höchste Risiko für die Inspektion darstellen.
Mit der Reform werden auch vereinfachte Verfahren für „Trust-and-Check-Händler“ für transparente Unternehmen eingeführt, die keinen aktiven Zolleingriffen unterliegen.
Für E-Commerce-Betreiber, die die EU-Standards nicht einhalten, wird ein neues System finanzieller Sanktionen verhängt.
Die Reform sieht ab November 2026 eine neue EU-Bearbeitungsgebühr für kleine Pakete vor, die in die EU eingeführt werden. Der genaue Betrag wird von der Europäischen Kommission festgelegt. Von Juli bis November wird auf alle Pakete unter 150 € vorübergehend eine Steuer von 3 € erhoben.











