Als das Ballett 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater aus der Taufe gehoben wurde, war der heutige Solist der Berliner Truppe bereits dabei. „Die Hauptrolle habe ich am Bolschoi nicht getanzt, ich war damals die vierte Besetzung“, erzählt Soares t-online. „Aber ich habe die Entstehung des Balletts von Anfang an mitbekommen und hatte einige Auftritte in kleineren Partien. Im zweiten Akt habe ich im Grand Gala eine Passage aus ‚Schwanensee‘ getanzt, konkret den Part von Siegfried.“
Der gebürtige Brasilianer kam im Alter von zwölf Jahren nach Moskau, wo er seine Ballettausbildung an der Moskauer Staatlichen Akademie für Choreografie beendete, und anschließend direkt am Bolschoi-Ballett aufgenommen wurde.
Dann kam der Krieg. Am Tag, als Russland die Ukraine angriff, buchte Soares ein Flugticket nach Italien. Schließlich führte ihn sein Weg nach Berlin. Der entscheidende Grund sei für ihn gewesen, einen Ort zu finden, an dem der Tänzer er selbst sein kann. „Ich wollte nicht mehr in einem Umfeld leben, in dem man ständig überlegen muss, was man sagen darf und was nicht“, erzählt er t-online. Zudem habe er das Bedürfnis nach künstlerischer Weiterentwicklung verspürt: „Ich habe verstanden, dass Russland eine Sackgasse für mich wäre.“
Zu diesem Zeitpunkte durfte das Ballett „Nurejew“ in Russland nicht mehr gezeigt werden. „Als das Gesetz gegen die sogenannte Schwulenpropaganda verabschiedet wurde, wurde das Stück praktisch zu seinem ersten Opfer“, sagt der Regisseur Serebrennikow im Gespräch mit t-online. Schließlich hatte Nurejew zu seinen Lebzeiten kein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht, was zum Dreh- und Angelpunkt des Ballettstücks wurde.
Den dramaturgischen Rahmen für „Nurejew“ bildet eine Auktion, auf der nach dem Tod des Tänzers Gegenstände aus seinem Privatbesitz versteigert werden: Kostüme seiner legendären Rollen, antike Möbel aus seiner enormen Sammlung, männliche Aktgemälde, ikonische Fotografien seiner selbst.
Jedes Objekt erzählt eine Geschichte aus dem bewegten Leben Nurejews: Aus den Ehrfurcht gebietenden Hallen der Ballettakademie in Sankt Petersburg führen sie in die erdrückende Realität des Sowjetregimes; begleiten Nurejew nach seinem berühmten „Sprung in die Freiheit“ in die promiskuitive Boheme-Welt von Paris; erzählen von seinen provokanten Eskapaden; lassen ihn in die Arme der Liebe seines Lebens stürzen; bezeugen seinen weltweiten Triumph und heben ihn schließlich zum Sonnenkönig seiner Welt empor.









