„Amerikanische Zustände“ drohen
Debatte um Meinungsfreiheit: Weimer sagt Preisverleihung ab
Aktualisiert am 10.03.2026 – 13:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Entscheidung des Kulturstaatsministers steht derzeit massiv in der Kritik, Autoren warnten vor „amerikanischen Zuständen“. Jetzt reagiert Weimer.
Nach dem Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Kandidatenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die Verleihung abgesagt. Die aktuelle Debatte um den Vorgang drohe den Sinn der Veranstaltung „zunehmend zu überlagern“, teilte ein Sprecher Weimers am Dienstag in Berlin mit. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheine „in einem solchen Kontext kaum noch möglich“.
In der vergangenen Woche hatte Weimer wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ drei linke Buchläden von der Liste für den Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen. Öffentlich ist nicht bekannt, was gegen die drei Läden in Berlin, Bremen und Göttingen vorliegt. Die Betroffenen wollen vor Gericht ziehen. Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert.
Im Raum steht der Vorwurf, der Ausschluss der drei Buchhandlungen durch Weimer könnte unter Rückgriff auf ein regierungsinternes Verfahren erfolgt sein, dass staatliche Finanzierung mutmaßlich extremistischer Vereinigungen und Veranstaltungen möglichst verhindern soll. Es sieht entsprechende Anfragen von Ministerien beim Bundesverfassungsschutz vor.
Die Autorenvereinigung PEN Deutschland hatte nach Weimers Streichung Bedenken geäußert. „Nicht nur der Preis ist damit beschädigt, sondern das Ansehen einer ganzen Branche – und das unserer politischen Entscheider“, teilte PEN Deutschland in Darmstadt mit.
„Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen ‚amerikanische‘ Zustände haben“, sagte PEN Deutschland-Präsident Matthias Politycki. „Die jeweils regierende Partei kuratiert das kulturelle Angebot, sei’s in zeitlicher Abfolge, indem sie die Entscheidungen der Vorgängerregierung revidiert, sei’s in räumlicher Hinsicht, indem das kulturelle Angebot von Bundesland zu Bundesland völlig anders bemessen wird.“ Die Meinungsfreiheit umfasse auch die Freiheit der Buchhändler.











