Traditionsbetrieb in Schieflage
Bäckerei-Kette mit 19 Filialen meldet Insolvenz an
27.02.2026 – 19:53 UhrLesedauer: 2 Min.
Mehr als ein Jahrhundert prägte die Bäckerei-Kette Neff das Stadtbild von Karlsruhe und Umgebung. Jetzt steht das Unternehmen vor dem Aus.
Die 1904 gegründete Bäckerei Rudolf Neff GmbH hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Karlsruhe hat dem Antrag am 24. Februar 2026 stattgegeben und Rechtsanwalt Holger Blümle zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Das teilte das Unternehmen mit. Produktion, Belieferung und Verkauf in den 19 Standorten in Karlsruhe, Pforzheim, Rastatt und der Region laufen nach Angaben der Geschäftsführung uneingeschränkt weiter.
Mit dem Antrag strebt der Familienbetrieb eine Sanierung unter eigener Leitung an. Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und wird von externen Sanierungsexperten begleitet. Unterstützt wird Neff von den Restrukturierungsexperten Jens Lieser und Alfred Kraus.
Die Löhne und Gehälter der rund 200 Beschäftigten sind für die Monate Februar, März und April 2026 über Insolvenzgeld gesichert. Danach sollen sie wieder vom Unternehmen gezahlt werden. Nach Angaben der Geschäftsführung ist der Betrieb für die kommenden Monate durchfinanziert.
Als Grund für die wirtschaftliche Schieflage nennt die Bäckerei Neff stark gestiegene Kosten. Seit Beginn des Ukrainekriegs seien die Energiepreise im Vergleich zur Zeit davor um bis zu 500 Prozent gestiegen. Die Backwaren werden in Öl- und Gasöfen produziert. Hinzu kämen deutlich höhere Preise für Rohstoffe wie Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl.
Diese Mehrkosten hätten nur in geringem Umfang an die Kunden weitergegeben werden können. Der Wettbewerb sei intensiv, viele Verbraucher reagierten in Inflationszeiten preissensibel und wichen auf günstigere Angebote aus. Zusätzlich belasten nach Unternehmensangaben der Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk, Nacht- und Wochenendschichten sowie gestiegene Mindestlöhne die Branche.
Die Geschäftsführung zeigt sich dennoch zuversichtlich. „Wir stehen als Familienunternehmen zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für unsere Kundschaft und unser handwerkliches Erbe, für das wir alle mit großem Einsatz und Überzeugung täglich einstehen“, sagte Geschäftsführer Andreas Reich. Das Eigenverwaltungsverfahren sei eine Chance für einen strukturierten Neustart.
Auch Sanierungsexperte Alfred Kraus sieht Perspektiven. Brot und Brötchen gehörten zur Grundversorgung, das Konzept habe das Gericht überzeugt. Entscheidend sei nun, dass alle Beteiligten gemeinsam an der Sanierung arbeiten.
Die Bäckerei wird in vierter Generation von der Familie geführt. Seit mehr als 120 Jahren steht der Name Neff in Karlsruhe für handwerkliche Backwaren. Mit dem Sanierungsverfahren soll das Traditionsunternehmen langfristig erhalten bleiben.










