Deutschland erhebt bislang keine spezielle Steuer auf zuckerhaltige Getränke oder stark gezuckerte Produkte. Zwar diskutieren Politiker erneut über eine sogenannte Zuckersteuer. Ministerpräsident Daniel Günther kündigte Ende 2025 eine Bundesratsinitiative für eine nationale Steuer auf stark gezuckerte Getränke an. Ob und wann sie kommt, ist jedoch offen.
Die Bundesregierung setzt bisher vor allem auf freiwillige Reduktionsziele der Industrie. Hersteller sollen Rezepturen anpassen und weniger Zucker einsetzen. Fachgesellschaften halten diesen Ansatz für unzureichend. Evaluationsstudien aus mehreren Ländern kommen zu einem klaren Ergebnis. Wenn eine Steuer spürbar ist, sinkt der Konsum gezuckerter Getränke – entweder weil Verbraucher weniger kaufen oder weil Hersteller den Zuckergehalt senken.
Eine Simulation des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) prognostiziert, dass ein Preisaufschlag von 20 Prozent den Zuckerkonsum aus Softdrinks um etwa ein Gramm pro Kopf und Tag senken würde. Reduzieren Hersteller zusätzlich die Rezepturen um 30 Prozent, könnten es rund 2,3 Gramm weniger sein. Langfristig würden weniger Fälle von Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Auch volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe ließen sich einsparen.
Laut WHO erheben inzwischen mindestens 116 Länder weltweit Verbrauchsteuern auf zuckerhaltige Getränke. In der WHO-Region Europa setzen 21 von 50 Staaten darauf, darunter Frankreich, Großbritannien und Spanien.
Eine Zuckersteuer kann ein wirksamer Baustein sein. Doch sie löst das Problem nicht allein. Sie betrifft vor allem Softdrinks. Andere stark gezuckerte Produkte wie Säfte, Milchmixgetränke oder Süßwaren bleiben häufig außen vor.
Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen: bessere Ernährungsbildung, klare Lebensmittelkennzeichnung, Einschränkungen bei Werbung für Kinder und gesündere Angebote in Schulen. Genau hier knüpft auch die ARD-Doku „Hirschhausen und der Zucker” an. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie, wie groß das Problem ist und wo Lösungen greifen können.
Die Doku läuft am Montag, 23. Februar 2026, um 20:30 Uhr in der ARD und ist bereits vorab in der ARD-Mediathek abrufbar.
