„Reine Abzocke“
Zoll kontrolliert Tank-Touristen wegen billigen Sprits
08.03.2026 – 13:56 UhrLesedauer: 2 Min.
Bis zu 60 Cent pro Liter Unterschied: Immer mehr Autofahrer tanken jenseits der Grenze. Jetzt hat der Zoll reagiert und nimmt sogenannte Tank-Touristen verstärkt unter die Lupe.
Der Zoll kontrolliert an der deutschen Grenze zu Polen verstärkt sogenannte Tank-Touristen. Hintergrund sind deutlich gestiegene Spritpreise in Deutschland. Seit mehreren Tagen gibt es bundesweit Stichproben an Grenzübergängen, sagte eine Zoll-Sprecherin der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“.
Bei den Kontrollen geht es vor allem um Menschen, die im Ausland günstiger tanken und anschließend wieder nach Deutschland einreisen, ohne den Kraftstoff zu verzollen. Besonders im Fokus stehen Grenzübergänge in Brandenburg, Sachsen und Bayern nach Polen und Tschechien.
In beiden Ländern ist der Sprit derzeit deutlich günstiger als in Deutschland. Laut Zoll liegt der Preisunterschied bei etwa 30 bis 60 Cent pro Liter. Wie viele Tank-Touristen bei den aktuellen Kontrollen bereits erwischt wurden, ist bislang nicht bekannt.
Privatpersonen dürfen innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich Benzin oder Diesel für den eigenen Bedarf kaufen und steuerfrei nach Deutschland bringen. Der Kraftstoff muss jedoch persönlich transportiert werden und sich im Tank des Fahrzeugs oder in einem Reservekanister befinden.
Bei Kontrollen beanstandet der Zoll in der Regel bis zu 20 Liter zusätzlichen Kraftstoff in einem Kanister nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass der Sprit zum jeweiligen Fahrzeug passt. In einem Benziner darf also kein zusätzlicher Kanister mit Diesel mitgeführt werden.
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg hat der aktuelle Preisunterschied bereits spürbare Folgen. Teilweise hätten sich an polnischen Tankstellen lange Schlangen gebildet. Für deutsche Tankstellen im Grenzgebiet verschärfe sich dadurch die wirtschaftliche Lage zusätzlich.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kritisierte die Entwicklung deutlich. „Kein Mensch versteht, warum die Preise in Deutschland für den gleichen Sprit um 60 Cent höher sind als in Polen. Und das, obwohl beide Länder benachbarte EU-Staaten sind“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Bundesregierung müsse endlich handeln und diesen „unhaltbaren Missstand“ beenden. „Die Preistreiberei an den Tankstellen ist reine Abzocke.“
Der Preisanstieg setzte sich zuletzt weiter fort. In der morgendlichen Spitze kostete Diesel pro Liter 2,109 Euro, der Preis für Super E10 lag bei 2,014 Euro.











