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Home » Zehntausende Jobs und Werke wackeln – was jetzt droht
Mobilität

Zehntausende Jobs und Werke wackeln – was jetzt droht

MitarbeiterBy MitarbeiterAugust 25, 2026
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Volkswagen steht vor drastischen Veränderungen, die Mitarbeiter sind verunsichert. Die Entwicklungen erschüttern nicht nur das Unternehmen, sondern auch viele ganz persönliche Gewissheiten.

Ich erinnere mich noch genau an meinen letzten privaten Besuch im VW-Werk: Es war 2003, der Golf 5 wurde den Mitarbeitern und ihren Familien auf dem Werksgelände in Wolfsburg präsentiert. Zwischen Currywurst- und Getränkeständen spielte Udo Lindenberg, und mein Vater nahm mich (damals 16), meine Mutter und meine damalige Freundin an seinen Arbeitsplatz mit. Es war Sommer, die Leute waren gut gelaunt und es schien, als würde es bei VW immer so weitergehen. Ein goldenes, bequemes Zeitalter mit Rekordabsätzen und Currywurst.

Mehr als 20 Jahre später bin ich Autoredakteur und die aktuellen Nachrichten, die nun viele schockieren, überraschen mich nicht: Zehntausende Jobs und mehrere Werke stehen auf der Kippe. Die Konzernspitze will ihre Pläne den verunsicherten Beschäftigten präsentieren, und klar ist jetzt schon: Die Bequemlichkeit und das goldene Zeitalter sind vorbei.

Anlass zur Beunruhigung gab es lange nicht

Als Arbeiterkind habe ich dem Konzern indirekt viel zu verdanken. Aufgewachsen in der Region Gifhorn/Wolfsburg, kannte ich kaum jemanden, dessen Onkel oder Bruder nicht im Werk arbeitete. VW gehörte zum Alltag. Auf den Straßen war das Markenemblem allgegenwärtig, die Arbeiterstadt Wolfsburg mauserte sich dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen, der Konzern baute die ultramoderne Autostadt als Präsentationsfläche für seine Fahrzeuge, veranstaltete Konzerte wie 1996 das von Jon Bon Jovi mitten in der niedersächsischen Provinz.

Wenn VW wankt, schüttelt es die ganze Region – mit diesem potenziellen Schreckensszenario bin ich aufgewachsen, so wie viele andere Kinder in Niedersachsen auch. Schließlich hängen etliche Zulieferer am Tropf des Industriegiganten. Doch wirklich Anlass zur Beunruhigung gab es lange nicht.

VW-CurrywürsteVergrößern des Bildes
Original mit VW-Ersatzteilnummer 199 398 500 A und Schriftzug auf dem Kunstdarm: Allein 2025 wurden laut Betriebsrat des Autoherstellers 8,55 Millionen VW-Currywürste inklusive aller Varianten verkauft. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)

Die Pendlerströme nach Wolfsburg ließen die Bundesstraßen der Region zum Schichtwechsel verstopfen. Und die Pendler, sprich: unsere Eltern, Großeltern und andere Verwandte, brachten jeden Monat sicheres Geld nach Hause. Und manchmal auch die originale VW-Currywurst mit passendem Ketchup, die seit Jahren das meistverkaufte VW-Produkt ist.

Die Sicherheit schuf Möglichkeiten

Wer es einmal ins Werk geschafft hatte, würde hier als Rentner herausgehen. Das war eine Gewissheit, an der niemand je gezweifelt hat. Krisen wie in den frühen Neunzigerjahren wurden dank einer starken Gewerkschaft mit einer Viertagewoche abgefedert. Gut für uns – so konnte mein Vater an den langen Wochenenden unser Haus bauen. Ab 1994 garantierte das Unternehmen den Fortbestand der Jobs. Für VW-Angestellte war klar: Sie konnten sich dank guter Gehälter Urlaube erlauben und die Kinder nach der Schule im Studium unterstützen. Auch mein Lebensweg wäre ohne all das vielleicht ganz anders verlaufen. Ein Privileg, für das ich dankbar bin.

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