Der Züricher Psychiater Johannes Jungwirth, der nicht an der Untersuchung beteiligt war und selbst an Psilocybin forscht, schreibt diesem Wirkstoff weiterhin ein großes Potenzial zu. „Die Effekte von Psilocybin sind trotz dieser Studie immer noch robust“, sagte er dem Science Media Center. „Die vorliegende Studie zeigt aber, was wir schon lange wissen: Es ist kein Wundermittel.“

Die überzogenen Erwartungen, die teilweise in Psilocybin gesetzt werden, sieht er kritisch. Die Studienplanenden hätten die Effekte von Psilocybin überschätzt, was auch im klinischen Alltag bei Patienten zu beobachten sei und zu Enttäuschungen führe. „Als Kliniker in der Schweiz, wo Psilocybin in Ausnahmefällen bereits angewandt werden kann, beobachten wir diese Erwartungsproblematik oft. Der starke Hype um diese Substanzen kommt erst mal aus einem Mangel an neuen Behandlungsmethoden.“

Wegen dieses Mangels steht Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen derzeit häufig ein langer und kräftezehrender Weg bevor. In vielen Fällen müssen Betroffene mehrere verschiedene Medikamente und Therapieverfahren ausprobieren, Dosierungen verändern oder Kombinationen testen, ohne dass sich eine ausreichende Besserung einstellt. Der zermürbende Kreislauf aus Hoffen, Ausprobieren und Enttäuschung kann sich bei vielen Betroffenen über Jahre hinziehen. Kein Wunder also, dass neue Therapiemethoden für viele ein ersehnter Hoffnungsschimmer sind und entsprechend große Erwartungen wecken.

Die aktuelle Untersuchung verdeutlichte auch, dass Psilocybin nicht nur positive Effekte hat. Unter anderem berichteten Testpersonen über Angstgefühle oder Verwirrtheit, meist am Tag des Trips. Zu schweren Nebenwirkungen wie Suizidgedanken und anhaltenden Wahrnehmungsstörungen kam es sehr selten. Diese und andere Nebenwirkungen müssen noch genauer untersucht werden, ehe Psilocybin als Medikament zugelassen werden kann. Um die Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen, sind noch weitere Studien mit deutlich mehr Teilnehmern nötig.

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