Unterschätzte Gesundheitsgefahr

Daran sterben weltweit wohl viel mehr Menschen als gedacht


26.08.2026 – 16:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Schlangenbiss: Schlangen beißen typischerweise an Armen, Händen, Beinen oder Füßen. (Quelle: marketlan/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Forscher schätzen, wie viele Menschen durch Schlangenbisse ums Leben kommen. Die Zahl der Todesfälle liegt deutlich höher als frühere Schätzungen vermuten ließen.

Schlangenbisse gelten als eher exotische Todesursache. Wie eine neue Studie nahelegt, könnte die weltweite Zahl der Opfer aber deutlich höher liegen als bislang angenommen: Jedes Jahr könnten zwischen 2,1 und 7 Millionen Menschen durch Schlangenbisse vergiftet werden. Die Zahl der Todesopfer liegt laut der Untersuchung zwischen 274.000 und 513.000.

Viele Fälle tauchen bisher in keiner Statistik auf

Bisherige Schätzungen zu den Todesfällen durch Schlangenbisse basieren häufig auf Krankenhausdaten. Das klingt zunächst verlässlich, hat aber einen entscheidenden Haken: Viele Betroffene erreichen gar keine Klinik. Manche suchen Hilfe bei traditionellen Heilern, andere sterben unterwegs oder leben in Gegenden ohne funktionierende Meldesysteme.

Die Forscher vermuten deshalb, dass die tatsächliche Belastung unterschätzt wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet in ihrem aktuellen Bericht nur mit 81.000 bis 138.000 Todesfällen pro Jahr – räumt jedoch zugleich ein, dass diese Zahl vermutlich zu niedrig gegriffen ist. Die neue Studie untermauert das.

So gingen die Forscher vor

In der neuen Untersuchung sichteten die Forscher wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Schlangenbissen, die zwischen 2007 und März 2025 erschienen waren. Insgesamt flossen 90 Datenquellen in die Berechnungen ein. Für Vergiftungen lagen belastbare Angaben aus 79 Ländern vor, für Todesfälle aus 70. Die Forscher verknüpften diese Daten mit zahlreichen Informationen über die jeweiligen Länder und Regionen – etwa zu Klima, Landwirtschaft, Armut, Urbanisierung, Geschlechterungleichheit und dem Vorkommen medizinisch bedeutsamer Giftschlangen.

Statistische Computermodelle berechneten daraus zwei Szenarien: eine eher vorsichtige niedrige Schätzung, die eine gewisse Untererfassung berücksichtigt, und eine hohe Schätzung, die von einer deutlich größeren Dunkelziffer ausgeht.

Vor allem arme Regionen betroffen

Schon nach der vorsichtigen Schätzung könnten Schlangenbisse weltweit mehr als viermal so viele Menschen töten wie Tollwut. Dennoch findet das Problem deutlich weniger Beachtung – wohl auch, weil es vor allem arme Regionen trifft.

Fast die Hälfte der Vergiftungen und Todesfälle entfällt auf Subsahara-Afrika, daneben sind Süd- und Südostasien besonders betroffen. Die meisten Opfer gibt es insgesamt in Indien.

Was heißt das für Reisende?

Wer in betroffene Regionen reist, sollte vor allem bei Wanderungen, Arbeiten im Freien oder Übernachtungen in einfachen Unterkünften vorsichtig sein. Schlangenbisse lassen sich am ehesten vermeiden, indem man typische Verstecke wie Dickicht oder warme Steine meidet und feste Schuhe trägt, die die Knöchel bedecken. Wer auf eine Schlange trifft, sollte sich möglichst ruhig zurückziehen und dem Tier einen Fluchtweg lassen.

Ist es zu einem Biss gekommen, gilt es, rasch medizinische Hilfe zu suchen. Im Krankenhaus behandeln Ärzte zunächst die Beschwerden, die das Schlangengift auslöst, etwa Atemnot, Blutungen oder Kreislaufprobleme. Wenn die verantwortliche Schlangenart bekannt ist, können sie zusätzlich ein passendes Gegengift geben, das Bestandteile des Gifts neutralisiert.

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