Neuer Energiewende-Plan

China macht Wind und Solar zum Rückgrat des Energiesystems


27.06.2026 – 19:37 UhrLesedauer: 3 Min.

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Xi Jinping verfolgt die Vision eines „wunderschönen China“: Das soll durch die Energiewende gelingen. (Quelle: IMAGO/Vladimir Smirnov / TASS/imago)

China hat Ende Juni einen neuen Fünfjahresplan für die Energiewende vorgelegt. Kohle und Öl sollen schrittweise aus dem System gedrängt werden. Ganz weg sollen sie aber nicht.

Eine der zentralen Botschaften in der Doktrin von Chinas Präsident Xi Jinping ist die Idee des „wunderschönen China“. 2012 kam der Begriff erstmals auf, seither ist er zu einem regelrechten Staatsziel geworden. Xi versteht darunter einen Staat, der auf einer grünen Wirtschaft aufgebaut ist und das harmonische Zusammenleben von Mensch und Umwelt in einer „ökologischen Zivilisation“ ermöglicht.

Was für viele vielleicht nach ökosozialistischer Utopie klingt, ist in China längst zu einer zentralen wirtschafts- und industriepolitischen Agenda geworden, die auf Dominanz in einer klimaneutralen Welt ausgerichtet ist. Das zeigt sich in dieser Woche erneut mit der Veröffentlichung des neuen Fünfjahresplans für die Energiewende.

Diese Energie-Ziele will China bis 2030 erreichen

In dem Plan wird skizziert, welche Ziele bis 2030 erreicht werden sollen. So soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch von aktuell knapp unter 22 Prozent auf 25 Prozent ansteigen. Zum Vergleich: In Europa machten Erneuerbare und Atomenergie im Jahr 2025 rund 25 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus, in den USA sind es lediglich rund zehn Prozent.

Für den Stromsektor gelten ambitioniertere Ziele: Erneuerbare Energien sollen in China bis 2030 mehr als 50 Prozent der installierten Leistung ausmachen. Wind und Solar allein sollen bis dahin zu den „Hauptenergiequellen“ des Landes aufsteigen und mehr als 30 Prozent der Leistung ausmachen, heißt es in dem Papier. Ferner sollen Wasserkraft und Solarthermie sowie Atomkraft und Wasserstoff gefördert und ausgebaut werden.

Die verschiedenen Technologien sollen je nach Region unterschiedlich eingesetzt und ausgebaut werden: Im Norden sollen riesige Wind- und Solarparks errichtet werden, während im Südwesten Energieparks mit kombinierten Systemen aus Wasser-, Wind- und Solarkraft installiert werden sollen. An den industriereichen Küsten soll vor allem die Atomenergie weiterentwickelt werden, in Kombination mit Offshore-Windparks in den umliegenden Meeren. Neben diesen „Energiehubs“ soll die regionale Energieproduktion gefördert werden, um Wind- und Solarenergie auch in die Kleinstädte und Dörfer des Landes zu bringen. Ziel ist es auch, dass der industriestarke Osten des Landes bis 2030 gut 70 Prozent des eigenen Energieverbrauchs lokal erzeugen soll.

Kohle soll zur Reserve werden

Im Gegenzug sollen Öl und Kohle langfristig aus dem System verschwinden. Deren Anteil am Energiemix soll spätestens 2030 seinen Höhepunkt erreichen und danach nicht weiter steigen. Kohlekraftwerke sollen im zukünftigen Energiesystem als Reserve dienen, also in Zeiten mit wenig Produktion aus den erneuerbaren Quellen einspringen und die Netze stabilisieren. Bis 2030 sollen 80 Prozent der nationalen Kohleproduktion ausschließlich als Backup dienen. Die Gasförderung soll aber auch nach 2030 zunehmen.

Explizit heißt es in dem Papier, dass Chinas Energiesystem möglichst unabhängig von Importen aus dem Ausland werden soll. Die Importe, die es auch in Zukunft noch brauchen werde, sollten möglichst diversifiziert sein, also von mehreren verschiedenen Lieferanten stammen. Der chinesische Staat will neue Abhängigkeiten, die im Zuge der Energiewende entstehen könnten, gezielt verhindern – zum Beispiel bei kritischen Rohstoffen. Das Land will zum weltweiten Vorreiter bei allen Energietechnologien werden: Atomreaktoren, Gasturbinen, Windkraftanlagen sollen weiterentwickelt werden, damit China auf diesen Feldern technologisch führend wird.

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