Liberale in der Krise
Wolfgang Kubicki will nun doch an die FDP-Spitze
Aktualisiert am 05.04.2026 – 12:53 UhrLesedauer: 4 Min.
Der 74-Jährige ist seit 2013 Parteivize. Eigentlich hatte er sich schon halb aus der Politik verabschiedet. Doch jetzt kandidiert er für den Vorsitz – und damit voraussichtlich gegen Amtsinhaber Dürr.
Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl 2025 kam die Frage nach einer Kandidatur für den FDP-Vorsitz schon einmal auf, doch Wolfgang Kubicki war sich sicher: „Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, das weiß ich selbst.“ Zwei herbe Wahlniederlagen der Liberalen später beantwortet der 74-Jährige die Frage anders: „Ich kandidiere“, schrieb Kubicki bei X. Der Mann, der als FDP-Vize seine eigene Partei wie auch die politischen Gegner oft mit beißender Kritik vor sich hertrieb, will nun doch selbst ans Ruder.
„Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen“, schrieb Kubicki. „Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit. Deshalb werde ich den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen.“ Ähnlich äußerte er sich in der „Bild am Sonntag“.
Damit sind nun drei Kandidaturen für den Vorsitz der Liberalen bekannt: Der derzeitige Vorsitzende Christian Dürr (48), der 2025 als Nachfolger von Christian Lindner ins Amt kam, hat zwar mit dem gesamten Bundesvorstand seinen Rücktritt angekündigt, will sich aber erneut bewerben.
Daneben hat der nordrhein-westfälische FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne (39) eine Kandidatur angekündigt. Zwischenzeitlich hatte sich die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu einer Doppelspitze bereit erklärt, unterstützte dann aber Hönes Einzelbewerbung. Höne bekräftigte am Sonntag auf X: „Mein Angebot an die Partei bleibt bestehen: Die FDP braucht einen Neustart.“ Er freue sich auf den Wettbewerb mit Kubicki.
Eigentlich hatte der frühere Bundestagsvizepräsident 2025 für den Fall des Scheiterns der FDP bei der Bundestagswahl schon einmal seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Er sagte: „Ja, dann ist für mich politisch Schluss, denn ich werde in der nächsten Woche 73 Jahre alt.“ Dann überlegte er es sich über Nacht anders. Viele hätten ihn zum Bleiben gedrängt, sagte er damals.
Dass er auch seine Meinung über die Kandidatur zum Vorsitzenden änderte, dürfte mit der desolaten Lage seiner Partei zu tun haben. Im März flogen die Liberalen in ihrem Stammland Baden-Württemberg aus dem Landtag: „Das ist der wohl bitterste Tag meines politischen Lebens mit über 50 Jahren FDP-Mitgliedschaft“, sagte Kubicki damals dem „Tagesspiegel“. Zwei Wochen später folgte das nächste Desaster für die FDP in Rheinland-Pfalz.









