Mahnwache am Jungfernstieg

Entscheidung über Hamburger Wolf bleibt offen

05.04.2026 – 18:04 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Tierschützer: Sie fordern von der Hamburger Umweltbehörde, den eingefangenen Wolf wieder freizulassen. (Quelle: Markus Klemm/dpa/dpa-bilder)

Fast eine Woche nach dem Vorfall in Altona ist unklar, wie es mit dem Wolf weitergeht. Naturschützer kommen zusammen und fordern Ostersonntag seine Freilassung.

Der Wolf ist in Niedersachsen, seine Zukunft ist ungewiss. Nach Behördenangaben gibt es derzeit keine neuen Informationen. Das Tier befindet sich seit Dienstag in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im Landkreis Schaumburg. Dorthin war es gebracht worden, nachdem die Polizei es aus der Binnenalster gefischt hatte.

Der Vorfall hatte sich in der Vorwoche ereignet. Das männliche Jungtier wurde zunächst im Westen der Stadt gesichtet. Dann lief es in eine kleine Einkaufspassage im Zentrum Altonas und verletzte dort eine etwa 60-jährige Frau. Anschließend rannte der Wolf mehrere Kilometer durch die Hamburger Innenstadt und sprang in die Binnenalster.

Was genau in der Passage passierte, ist strittig. Die Umweltbehörde geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Wolf die Frau gebissen habe – als diese mutmaßlich auf das panische Tier zugegangen sei, um es durch die gläsernen Automatiktüren nach draußen zu lassen. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hatte dazu auf einen Polizeibericht verwiesen. Dessen Inhalt ist unbekannt, weil die Polizei ihn nicht veröffentlicht.

Naturschützer bezweifeln die Bissvariante. Nach ihren Angaben soll eine Zeugin gesehen haben, dass der Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Eine Textilhändlerin mit Geschäft in der Passage sagte dem „Hamburger Abendblatt“: „Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen.“ Außerdem argumentieren Naturschützer laut dpa, bei einem Wolfsbiss hätte das Opfer kaum ambulant im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt werden können.

Sollte der Wolf gebissen haben, wäre es der erste derartige Angriff seit der Wiederansiedlung. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz gegenüber der dpa.

Fegebank hatte die Unsicherheit bereits am Dienstag klar benannt: „Er hat das einmal getan, tut er das wieder?“ Vorstellbar sei, dass der Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita laufe. „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde“, sagte die Senatorin. „Wölfe sind Raubtiere.“ Nach Fegebanks Angaben gibt es drei Optionen: Auswildern, Einschläfern oder Unterbringung in einem Wildpark.

Letztere Option halten Fachleute für nicht umsetzbar. Wolfsexperte Norman Stier von der TU Dresden und Wildpark-Geschäftsführer Arne Vaubel erklärten gegenüber der dpa, eine Integration des Wolfs in ein Wildpark-Rudel sei unmöglich. Stier verwies auf frühere Erfahrungen: „Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind.“ Beide sprachen sich dafür aus, den Wolf mit einem Senderhalsband zu versehen und freizulassen.

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