„Gewachsene Hassliebe“
Hierher rührt die Rivalität zwischen Bremen und Hamburg
24.02.2026 – 18:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Hamburg sei „das Tor zur Welt“, heißt es. Und Bremen? Die haben den Schlüssel, lautet oftmals der Konter. So richtig grün sind sich die Städte nicht. Doch woher kommt das eigentlich?
In Bremen muss man nicht lange fragen, wenn es um Rivalitäten geht. Ein Name fällt dabei fast immer: Hamburg. Die Beziehung der beiden Hansestädte darf dabei nicht als ein kurzfristiges Duell, sondern als ein jahrhundertealter Wettbewerb verstanden werden, der weit vor Fußball und Nordderbys begann. Doch: Steckt dahinter mehr als nur ein Klischee?
Bereits lange bevor die Bundesliga gegründet wurde, standen sich Bremen und Hamburg als konkurrierende Handelsstädte gegenüber. Kaufleute beider Städte handelten mit ähnlichen Waren, doch nicht immer im freundschaftlichen Sinne. „Bremer und Hamburger mochten sich noch nie. Eine historische Abneigung, weil die Städte vor Hunderten von Jahren schon in Konkurrenz standen“, schreibt eine Zeitzeugin in einem Forum zur norddeutschen Rivalität – und bringt damit eine Stimmung auf den Punkt, die viele so empfinden.
Die Rivalität reicht laut Historikern bis ins 10. Jahrhundert zurück, als nach einem Wikingerangriff der Sitz des Erzbischofs von Hamburg nach Bremen verlegt wurde. Im Mittelalter stritten beide Hansestädte bei Hansetagen um Einfluss und Rang, meist mit Vorteilen für das größere Hamburg.
Besonders in den vergangenen 300 Jahren wuchs die Konkurrenz, weil sich Hamburg wirtschaftlich und demografisch deutlich schneller entwickelte. Trotz aller Spannungen gab es aber auch Solidarität – etwa nach dem Hamburger Stadtbrand 1842. Historiker sprechen daher eher von einer gewachsenen „Hassliebe“ mit viel Folklore.
Die Hanse, dieses mittelmächtige Bündnis norddeutscher Kaufmannsstädte, war dabei kein harmonischer Club, sondern ein Netzwerk selbstbewusster Städte mit eigenen Interessen. Bremen und Hamburg gehörten dazu – Zusammenarbeit ja, aber stets mit Seitenblick auf den eigenen Vorteil.
Als die Weser im 19. Jahrhundert zunehmend versandte, reagierte Bremen strategisch: 1827 wurde Bremerhaven gegründet, um einen tideunabhängigen Zugang zum globalen Handel zu sichern. Dieser Schritt war kein bloßer Ausgleich für verlorene Flussanbindung, sondern ein bewusstes wirtschaftliches Statement.
Während Hamburg zum größten deutschen Seehafen wurde, entwickelte Bremen eigene Schwerpunkte – etwa im Auto- und Spezialgutumschlag. Quasi als hanseatische Antwort auf „Hamburg, das Tor zur Welt“, antworten Bremer gern: „Und wir haben den Schlüssel dazu!“ – eine Phrase, die in lokalen Runden immer wieder fällt und die Symbolkraft des Bremer Wappens aufgreift.
Hamburg ist größer – klar. Fast dreimal so viele Einwohner wie Bremen, mehr Wirtschaftskraft und mehr internationale Bedeutung. Doch Größe war in der langen Geschichte der Neustadt an der Weser nie der einzige Maßstab – Selbstbehauptung schon eher.
